Mit einem feierlichen Festakt hat das Burgmuseum Schlitz am vergangenen Freitag sein 100-jähriges Bestehen gewürdigt. Rund 40 geladene Gäste kamen im Festsaal der Vorderburg zusammen, um die Geschichte des Hauses und seine Bedeutung für die Region zu feiern.
Bürgermeister Heiko Siemon hob in seiner Begrüßung die besondere Rolle des Museums für das kulturelle Gedächtnis des Schlitzerlandes hervor. Seit seiner Gründung im Jahr 1926 habe sich das Burgmuseum zu einem zentralen Ort regionaler Geschichte entwickelt. Heute umfasst die Sammlung mehr als 2.500 Exponate, die in 21 Räumen der Vorderburg präsentiert werden. Neben Leihgaben des Grafenhauses derer von Schlitz genannt von Görtz dokumentieren zahlreiche Objekte das Leben der Menschen im Schlitzerland über verschiedene Epochen hinweg.
Dabei werde im Burgmuseum „Vergangenheit nicht einfach ausgestellt, sie wird lebendig gemacht“, betonte Siemon. Die Gründung des Museums beschrieb er als Ergebnis einer „Zeit des Aufbruchs, des Engagements und des Gemeinschaftsgeistes“.
Ehrenbürgermeister Hans-Jürgen Schäfer, der in seinem Grußwort auch Landrat Dr. Jens Mischak vertrat, ergänzte die Ausführungen mit persönlichen Erinnerungen und historischen Einblicken. Besonders würdigte er das Engagement früherer Akteure wie Museumsleiter Willi Schmidt, der es verstand, Geschichte anschaulich und lebendig zu vermitteln. Mit praktischen Vorführungen, etwa an einem Webstuhl, sowie anschaulichen Erklärungen zu Redewendungen habe er Besucherinnen und Besucher nachhaltig beeindruckt.
Ein besonderer Moment des Abends führte die Gäste gedanklich weit über die Grenzen des Schlitzerlandes hinaus. Christel Theiler las aus dem Reisebericht des Grafen Carl von Schlitz genannt von Görtz und nahm das Publikum mit auf eine Reise von Schlitz bis nach Hongkong. Die lebendigen Schilderungen aus den Jahren 1844 bis 1847 – etwa zu fremden Kulturen und Essgewohnheiten – ließen Geschichte unmittelbar erlebbar werden und schlugen eine Brücke zwischen regionaler Identität und globaler Perspektive. Gisela Rosenbaum griff diesen Faden auf und ordnete die Eindrücke mit einem Überblick über die wechselvolle Geschichte des Burgmuseums und seine verschiedenen Standorte in den Schlitzer Burganlagen ein.
Musikalisch begleitet wurde der Festakt vom Flötenensemble Hartershausen. Gut gestärkt nach einem Schlitzer Bloatz und Burgenkümmel nutzten viele Gäste die Gelegenheit, die Ausstellungsräume mit den neuen Audioguide zu erkunden. Dort sind unter anderem auch Exponate aus China zu sehen, die Graf Carl von seiner Reise mitgebracht hat. Ein Teil dieser Sammlung befindet sich derzeit im Hohhaus-Museum in Lauterbach. Eine mögliche Zusammenführung beider Bestände im Burgmuseum Schlitz wird aktuell weiterhin diskutiert.
Der Festakt machte eindrucksvoll deutlich, welchen Stellenwert das Burgmuseum für die Stadt Schlitz und die gesamte Region einnimmt – als Ort der Erinnerung, der Begegnung und der lebendigen Geschichtsvermittlung.



