9. Ottoburg

Die  Ottoburg  ist  ein  frühbarockes  Schloss,  das  zwischen  1955  und  1990  als Jugendherberge diente. Sie ist in zwei Bauabschnitten entstanden und steht auf der mittelalterlichen  Stadtbefestigung.  Von  den  beiden  den  NO-  Teil  flankierenden Ecktürmen  stammt  der  kleinere  aus  alter  Zeit.  Die  ehemalige  Stadtmauer  ist  im Keller  des  Gebäudes  noch  gut  zu  erkennen,  im  Kellergeschoss  befindet sich auch eine  steinerne  Gedenktafel,  die  das  Baujahr  (1653)  und  den  Bauherren  (Otto Hartmann  von  Schlitz,  Mitglied  der  "Fruchtbringenden  Gesellschaft")  nennt.  Ihre heutige  Gestalt  hat  die  Ottoburg  jedoch  erst  1681  durch  Otto  Hartmanns  Sohn, Philipp   Friedrich   von   Schlitz   und   dessen   Gemahlin,   Juliane   Elisabetha   von Minnigerode,    erhalten,    deren    Doppelwappen    über    dem    Barockportal    des Haupteingangs zu sehen ist. Beim  Bau  der  Ottoburg  wurden  alte  Wehrgänge  abgerissen  und  auch  ein  Teil des Wallgrabens zugeschüttet. Außerdem mussten einige an der Stadtmauer gelegene Häuser  abgerissen  werden.  Dadurch  kam  es  zu  erheblichen  Spannungen  mit  der Bürgerschaft,  was  auch  mit  den  Stadtgerechtsamkeiten  und  besonders  mit  den Privilegien zusammenhing, die den Bürgern der Innenstadt zustanden. Der  Ottoburger  Linie  der  Standesherrschaft  entstammt  der  "Held  von  Rheinfels", Georg Ludwig Sittich von Schlitz, der als Hessen - Kasselischer Generalmajor 1792 die  Feste  Rheinfels  bei  St.  Goar  gegen  eine  starke  Übermacht  französischer Truppen  erfolgreich  verteidigte.  In  die  europäische  Geschichte  ging  auch  Georg Heinrich  von  Görtz  (1675-1719)  ein,  der  ebenfalls  der  Ottoburger  Linie  entstammt. Als  Diplomat  war  er  an  vielen  europäischen  Höfen  tätig,  zuletzt  war  er  engster Vertrauter und Minister König Karls XII. von Schweden. 

Dieser König führte über Jahrzehnte den sogenannten Nordischen Krieg und lag im Streit  mit  Polen,  Russland,  Brandenburg-Preußen  und  Dänemark.  Nachdem er vor Frederikshald in Norwegen durch eine Kugel den Tod gefunden hatte, wurde Georg Heinrich von Görtz für die völlige Verarmung des Landes verantwortlich gemacht und am 3. März 1719 nach einem politischen Prozess zu Stockholm enthauptet. Später rehabilitiert, starb mit ihm die Ottoburger Linie der Schlitzer Ganerbengemeinschaft aus.  Voltaire,  der  Georg  Heinrich  persönlich  gekannt  hat,  setzte  ihm  in  seiner „Geschichte Karls XII.“ ein unvergängliches Denkmal. Die  Ottoburg  diente  nach  dem  2.  Weltkrieg  mehreren  heimatvertriebenen  Familien als Wohnung. Heute befindet sie sich in Privathand.



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