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Stilllegung der Teichkläranlage Üllershausen im Spätsommer diesen Jahres


Mit dem jüngsten Wasserrechtsbescheid wird für die Teichkläranlage Üllershausen zukünftig eine wesentliche Verbesserung ihrer Reinigungsleistung gefordert, was die Stadtverwaltung zu ganz neuen Überlegungen veranlasst. Die Stadtwerke Schlitz bringen einen Abwasseranschluss der betroffenen Stadtteile an das Klärwerk Schlitz ins Gespräch.

 

Die Stadtteile Üllershausen und Hartershausen verbindet bereits seit der Gebietsreform 1972 eine gemeinsame Abwasserreinigung. Die erste, seinerzeit an einem Standort nordwestlich von Üllershausen in unmittelbarer Nähe der heutigen Teichkläranlage gemeinsam errichtete Kläranlage reinigte das Abwasser zunächst nur rein mechanisch. Bereits Anfang der 80er Jahre machte daher das zu dieser Zeit zuständige Wasserwirtschaftsamt Marburg die Stadt Schlitz darauf aufmerksam, dass die Kläranlage zwischenzeitlich nicht mehr nach den anerkannten Regeln der Technik betrieben werden könne. Dieser Umstand veranlasste die Stadt Schlitz seinerzeit dazu, sich mit einem Neubau auseinanderzusetzen, woraufhin bereits im Jahr 1985 Planunterlagen für eine neue, jetzt mechanisch-biologisch arbeitenden Kläranlage bei dem zuständigen Wasserwirtschaftsamt zur Genehmigung eingereicht werden konnten. Nach diesem Planentwurf wurde schließlich im Jahr 1988 eine belüftete Teichkläranlage für die beiden Stadtteile errichtet, welche bis in das Jahr 2000 hinein unverändert Bestand hatte. Mit der Kanalisierung des Stadtteils Hemmen Ende der 90er Jahre stellte sich für die Stadt jetzt auch die Frage nach einer öffentlichen Abwasserbehandlung für dessen Einwohner. Relativ schnell entschieden sich die Verantwortlichen dafür, die bestehende Teichkläranlage entsprechend zu erweitern und zu modernisieren, um auch die Einwohner von Hemmen mit anschließen zu können. Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer erinnert sich noch gut an diese Baumaßnahme um die Jahrtausendwende, für die auch eine Abwasserdruckleitung vom Ortsausgang in Hemmen bis nach Hartershausen verlegt werden musste. Aufwendig gestaltete sich damals insbesondere das zweimalige Unterqueren der Fulda mit der neuen Abwasserleitung. Solche Besonderheiten in einem Projekt vergisst man einfach nicht, so Schäfer.

Auf dem Gelände der Teichkläranlage Üllerhausen wird das ankommende Abwasser heute über eine automatisch gesteuerte Rechen- und Sandfanganlage von mitgeführten Grobstoffen vorgereinigt. Erst nach der Entfernung von Feststoffen und Sanden wird das Abwasser in die belüfteten Teiche geleitet, wo der biologische Abbau der organischen Abwasserinhaltsstoffen von statten geht. In erster Linie sind dies die Kohlenstoffverbindungen, die dabei zersetzt werden sollen, weiß der zuständige Technische Leiter der Stadtwerke Frank Jahn. Im Unterschied zu technisierten Kläranlagen arbeiten Teichanlagen als sogenannte

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Langzeitbelebungsanlagen, in denen der anfallende Klärschlamm jahrelang auf der Sohle gestapelt werden kann. Im Laufe dieser Jahre bewirken dann verschiedene Bakterienkulturen eine weitgehende Mineralisierung und damit die gewünschte Stabilisierung des Klärschlamms.

Die Teichkläranlage Üllershausen besteht seit den Umbaumaßnahmen im Jahr 2000 aus drei kaskadenförmig nacheinander durchflossenen, belüfteten Teichen und einem unbelüfteten Nachklärteich. Naturgemäß dient der erste Teich, in den das Abwasser nach der mechanischen Vorbehandlung geleitet wird, als maßgeblicher Schlammabsetzteich. Dieser Teich muss somit in Abhängigkeit der anfallenden Schlammmengen in Zeitabständen von fünf bis sieben Jahren geleert und gereinigt werden. Die letzte Schlammräumung ist im Frühjahr 2017 durchgeführt worden. Der abgesaugte Klärschlamm ist nach den Ausführungen von Bürgermeister Schäfer zunächst mit einer mobilen Siebtrommel vor Ort maschinell entwässert und anschließend auf dem Klärwerk in Schlitz endbehandelt und entsorgt worden.

Zwischenzeitlich sind die Anforderungen an die Abwasserreinigung vom Gesetzgeber aber immer weiter verschärft worden, so dass reine Teichkläranlagen diese heute nicht mehr hinreichend erfüllen können. Im Stillen hatten die Verantwortlichen bei der Stadt und den Werken den Tag bereits kommen sehen, an dem von den zuständigen Behörden strengere Anforderungen an die Reinigungsleistung der Teichkläranlage gestellt werden würden. Ohne große Vorgespräche geführt zu haben, hat die zuständige Wasserbehörde beim Vogelsbergkreis die Einleitung von mechanisch-biologisch gereinigtem Abwasser aus der Teichkläranlage Üllershausen in die Fulda mit dem jüngsten Bescheid vom 30.06.2017 zeitlich nur noch bis zum 31.12.2020 befristet. Begründet wird diese Befristung von der Wasserbehörde mit der Argumentation, dass die Kläranlage im Jahr 1988 für den reinen Kohlenstoffabbau ausgelegt worden sei, im Jahr 2000 zwar wesentlich ertüchtigt und erweitert, jedoch bis heute über keine verfahrenstechnische Reinigungsstufe für einen gezielten Stickstoffabbau verfüge. In den zurückliegenden Jahren kam es immer wieder zu Überschreitungen der behördlich festgelegten Grenzwerte im Kläranlagenablauf, insbesondere bei den Parametern Stickstoff und Phosphor. Daher ist die Stadt Schlitz von der Wasserbehörde mit dem genannten Wasserrechtsbescheid verpflichtet worden, die Teichkläranlage mit einer verfahrenstechnischen Behandlungsstufe zur weitergehenden Nitrifikation (Stickstoffelimination) nachzurüsten, um die Frachten an Stickstoff- und Phosphorverbindungen in die Fulda zukünftig deutlich reduzieren zu können. Selbstverständlich ist eine derartige Technisierung der Anlage nur mit erheblichen Investitionen in bauliche Maßnahmen, aber vor allem in eine zeitgemäße maschinelle und elektrotechnische Aufrüstung der Anlage verbunden, waren die ersten Gedanken von Bürgermeister Schäfer.

Mitten in die laufenden Überlegungen zur Zukunftsfähigkeit der Teichkläranlage platzte im Herbst 2017 plötzlich auch noch die Nachricht, dass ein nicht unerheblicher Abwasseraustritt am Böschungsfuß des Klärteichs I festgestellt worden sei, der auf Undichtigkeitsstellen in der Teichsohle rückschließen lässt. Die Austrittswassermenge ist vom Betriebspersonal mit etwa 90 bis 100 Kubikmeter je Tag abgeschätzt worden, was einem Großteil des gesamten Trockenwetterzuflusses eines Tages entsprach. Die Schwierigkeiten einer fachgerechten, nachhaltigen Abdichtung einer einzigen oder wohlmöglich mehrerer Schadensstellen sieht der Technische Leiter Jahn darin, dass die Teichsohle mit einer flächigen Betonplatte befestigt ist, wodurch etwaige Unterläufigkeiten nicht ohne weiteres zu erkennen und zu lokalisieren sind. Um absolut sicher gehen zu können, dass mit den erforderlichen Sanierungsmaßnahmen auch alle

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Undichtigkeitsstellen erfasst werden, muss der Teich vollflächig abgedichtet werden, rät die Betriebsleitung der Stadtwerke dem Magistrat. Die Kosten für eine solche, nachhaltige Teichabdichtung mit einem mehrlagigen Abdichtungssystem liegen nach ersten Schätzungen von Jahn bei etwa 45 – 50 TSD EURO.

Die Kosten zur notwendigen Ertüchtigung der Teichkläranlage mit einer zusätzlichen Abwasserbehandlungsstufe für eine anforderungsgerechte Nährstoffelimination sowie einer damit in Verbindung stehenden Kompletterneuerung der gesamten Elektro, Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik werden von dem Technischen Leiter Frank Jahn ohne Festlegung auf eine konkrete Ausbauvariante grob auf etwa 350 – 450 TSD EURO zuzüglich Honorar- und Nebenkosten abgeschätzt.

In Anbetracht der kurzfristig anstehenden, umfangreichen Sanierungs- und verfahrenstechnischen Ertüchtigungsmaßnahmen stellt sich für den Betrieb der Teichkläranlage Üllershausen unweigerlich die Frage nach möglichen Alternativlösungen. Nach einer fundierten Abwägung des Für und Wider wird von der Betriebsleitung wie auch von Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer ein Abwasseranschluss der betroffenen Stadtteile Üllershausen, Hartershausen und Hemmen an das jüngst energetisch und verfahrenstechnisch nachhaltig ertüchtigte Klärwerk in Schlitz-Hutzdorf favorisiert, womit die Teichkläranlage still gelegt und auf die erforderlichen Maßnahmen zu deren Sanierung und Ertüchtigung verzichtet werden könne.

Für eine Abwasserförderung zum Klärwerk Schlitz ist von dem bestehenden Abwasserpumpwerk vor der Teichkläranlage Üllershausen lediglich eine ca. 1.400 Meter lange Druckrohrleitung bis an die Ortskanalisation des Stadtteils Pfordt im Bereich des Aussiedlerhofs Am Tiergarten neu zu verlegen. Die baulichen Gegebenheiten des bereits vorhandenen Abwasserpumpwerks können ohne Einschränkung weiterhin genutzt werden. Die Pumpstation ist allerdings mit neuen Schmutzwasserpumpen und einer dazugehörigen Elektro-, Mess-, Steuerungs- und Regelungstechnik auszustatten, die den neuen hydraulischen Verhältnissen Rechnung zu tragen haben. Die Kosten für den Neubau einer Abwasserdruckleitung vom Standort des derzeitigen Abwasserpumpwerks vor der Teichkläranlage in einem weitgehend parallel zur Fulda verlaufenden, unbefestigten

 

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Wirtschaftsweg bis zur Ortsrandkanalisation des Stadtteils Pfordt einschließlich der Kosten für die maschinelle und elektrotechnische Neuausrüstung des Abwasserpumpwerks werden von

den Stadtwerken in einer Größenordnung von 380 – 400 TSD EURO zuzüglich Honorar- und Nebenkosten abgeschätzt.

Unter Abwägung aller Aspekte wird die Neuordnung der Abwasserableitung und Abwasserbehandlung des Einzugsgebiets der Kläranlage Üllershausen von den Verantwortlichen bei der Stadt und dem Magistrat als die wirtschaftlichste und nachhaltigste Lösung bewertet und so auch im Wirtschaftsplan für 2019 vorgeschlagen. Obgleich die Investitionskosten bei beiden Konzepten etwa in gleicher Höhe angesiedelt sind, so ergeben die zukünftig erzielbaren Einsparungen bei den Personal-, Betriebs- und Unterhaltungskosten schlussendlich den Ausschlag für einen Anschluss an das Klärwerk Schlitz. Berücksichtigt man zudem noch die anstehenden Sanierungskosten für eine erforderliche Abdichtung des Klärteichs I, wird die Entscheidung für eine konzeptionelle Neuausrichtung durch den derzeitigen baulichen Mangel nochmals maßgeblich untermauert.

Das Verlegen einer Verbindungsleitung von der Ortslage Üllershausen zur Ortslage Pfordt löst keine erneute Beitragspflicht der Grundstückseigentümer in den betroffenen Stadtteilen aus, kann Bürgermeister Schäfer seine Mitbürger in Üllershausen, Hartershausen und Hemmen beruhigen.

Einmal mehr machen sich die jüngst auf dem Klärwerk Schlitz getätigten, umfangreichen Erweiterungsmaßnahmen und gleichzeitig die Investitionen in die energetische Ertüchtigung der Anlagentechnik als äußerst wirtschaftlich und zukunftsweisend für die Stadt bezahlt, resümiert Schäfer.

 

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