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Klärwerk Schlitz in Zukunft energieautark

Schlitz-Hutzdorf

Kaum war die neue Klärschlammfaulungsanlage auf dem Klärwerk in Schlitz-Hutzdorf eingefahren, stellten die Verantwortlichen fest, da geht energetisch noch viel mehr. Mit einem zweiten Blockheizkraftwerk könnte so viel Stromenergie erzeugt werden, dass nicht nur das Klärwerk, sondern darüber hinaus auch noch alle anderen technischen Anlagen in der gesamten Schlitzer Abwasserentsorgung klimaneutral, das heißt ohne Ausstoß von Treibhausgasemissionen, betrieben werden könnten.

Die Bundesregierung hat sich anspruchsvolle Ziele gesetzt: Die Treibhausgasemissionen in Deutschland sollen bis zum Jahr 2020 um mindestens 40 % gegenüber 1990 gesenkt werden. Deutschland strebt an, bis zur Mitte des Jahrhunderts weitgehend treibhausgasneutral zu sein.

Die Stadtwerke Schlitz können auf dem Weg zu diesen klimapolitischen Zielen einen weiteren, wesentlichen Beitrag leisten, ist sich Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer sicher. Kläranlagen sind die größten kommunalen Stromverbraucher, denn sie haben einen höheren Strombedarf als Straßenbeleuchtung, Krankenhäuser oder andere Großverbraucher in einer Kommune. Und hier möchte die Stadt abermals ansetzen und die auf dem Klärwerk in Schlitz-Hutzdorf in den vergangenen Jahren bereits umgesetzten energetischen Ertüchtigungsmaßnahmen als Erfolgsgeschichte fortführen.

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Die Kläranlage besitzt nämlich das Potenzial, mit den bisher behandelten Fremdschlämmen und einer möglichen weiteren Steigerung der Annahmemengen an hoch energiereichen, organischen Abfallprodukten zu einer CO2-neutralen bzw. sogar zu einer energieproduzierenden Anlage weiterentwickelt werden zu können. Zu den so besonders energiereichen Abfallstoffen, die sich im Faulturm hervorragend gut vergären lassen, gehören unter anderem Speiseöle und Speisefette aus gewerblichen und industriellen Abscheideanlagen, Teigreste aus der Back- und Süßwarenindustrie oder aber auch Spülmilch aus dem Herstellungsprozess für Babynahrungsmittel und Abfälle aus der Verarbeitung von Molkereiprodukten, weiß der zuständige Technische Leiter der Stadtwerke Frank Jahn. Von mehreren regional tätigen Gewerbe- und Industriebetrieben liegen den Stadtwerken Anfragen vor, die aber mittlerweile nicht mehr alle erfüllt werden können, da die Kläranlage jetzt an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen ist.

Die bisher erreichte Energiebilanz erfüllt Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer sichtbar mit Stolz. Während die Eigenstromerzeugung im ersten Betriebsjahr der neuen Faulungsanlage noch bei 230.000 kWh pro Jahr lag, konnte im vergangenen Jahr bereits eine Steigerung auf immerhin 395.000 kWh erreicht werden. Demgegenüber wurden die klimaschädlichen Treibhausgasemissionen im gleichen Zeitraum von 270 Tonnen CO2 auf zuletzt nur noch 180 Tonnen im Jahr reduziert. Vor der Umstellung des Kläranlagenbetriebs auf das Verfahren der Schlammfaulung in Verbindung mit der Eigenenergieerzeugung über ein Blockheizkraftwerk(BHKW) lagen die jährlichen CO2-Emissionen noch bei etwa 350 Tonnen.

Da das vorhandene BHKW mittlerweile ganzjährig auf Volllast betrieben wird, kann eine weitere Steigerung der Eigenstrom- und Eigenwärmeerzeugung jetzt nur noch über eine zweite Anlage zur Kraft-Wärme-Kopplung erreicht werden. Mit dem Parallelbetrieb eines zweiten Blockheizkraftwerkes lässt sich nämlich dann so viel Stromenergie erzeugen, dass neben dem Klärwerk Schlitz auch gleichzeitig noch alle anderen elektrifizierten Abwasseranlagen im gesamten Schlitzerland bilanztechnisch mit Eigenstrom betrieben werden können. Hierzu gehören neben den Kläranlagen in Rimbach und Willofs auch insgesamt 38 Abwasserpumpstationen und acht automatisierte Regenwasserentlastungsanlagen. Der Gesamtbedarf an Stromenergie für alle abwassertechnischen Anlagen im Schlitzerland liegt bei etwa 735.000 kWh im Jahr. Ein zweites Blockheizkraftwerk sollte eine elektrische Leistung von 70 Kilowatt besitzen, so der Technische Leiter Frank Jahn, damit die Eigenstromproduktion auf rund 810.000 Kilowattstunden im Jahr gesteigert werden kann. Dann könnten sogar noch 75.000 Kilowattstunden Ökostrom aus eigener Erzeugung als Überschussenergie in das städtische Stromnetz eingespeist werden, rechnet der Betriebsleiter der Stadtwerke vor. Somit ist in Zukunft eine absolut energieautarke Abwasserentsorgung möglich. Es muss kein Fremdstrom auf dem Markt mehr eingekauft werden, der in Kohle- oder Atomkraftwerken produziert wird, und die Energiekosten reduzieren sich für den Abwasserbereich auf Null. Klimaschädliche Treibhausgasemissionen werden damit in diesem Betriebszweig der Stadtwerke künftig ganz vermieden, resümiert Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer.

Für dieses ehrgeizige Ziel sind nach den Worten von Frank Jahn natürlich zunächst einmal eine ganze Reihe weiterer Investitionen auf dem Klärwerk zu tätigen. Zentral ist dabei die Errichtung eines zweiten Blockheizkraftwerkes. Damit zukünftig auch eine größere Menge an sogenannten Co-Substraten zur Verarbeitung angenommen werden kann, muss die heute noch provisorisch gehandhabte Annahmestelle durch entsprechende hochbauliche Anlagen ersetzt werden. Für die geplante Erzeugung größerer Klärgasmengen wird in der Folge auch die Erweiterung des jetzigen Gasspeicherbehälters erforderlich. Die zusätzlich erzeugte Wärmeenergie kann in den beiden solaren Trocknungshallen wirtschaftlich zur Unterstützung des Trocknungsprozesses im Winterhalbjahr eingesetzt werden. Für einen möglichst effizienten Wärmeenergieeintrag bringt die Betriebsleitung der Stadtwerke die Nachrüstung einer oder möglicherweise auch beider Solarhallen mit einer Fußbodenheizung ins Gespräch. Darüber hinaus besteht auch noch erhebliches energetisches Einsparpotenzial bei den vier, mittlerweile über 20 Jahre alten, Drehkolbengebläsen wie auch bei der neuen Zwischenbehandlungsstufe für das Schlammwasser, das nach dem maschinellen Entwässerungsprozess nochmals biologisch gereinigt werden muss.

Die nachgewiesene Wirtschaftlichkeit und vor allem der Beitrag zu einer klimafreundlicheren Zukunft haben Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer dazu motiviert, dieses Vorhaben im Wirtschaftsplan 2019 der Stadtwerke als eines der wegweisenden Projekte vorzuschlagen. 

Gerade richtig kommt hier ein neues Bundesförderprogramm für innovative Abwassertechnik freut sich Schäfer. In der Kategorie „Energie speichern, regeln und vernetzen“ soll das Thema Energie auf Kläranlagen ganzheitlich, insbesondere auch im lokalen Energieversorgungskontext betrachtet werden. Unser Konzept passt daher ideal zu den formulierten Förderkriterien, ist sich der Bürgermeister sicher. In dem Fördertopf stehen insgesamt 25 Millionen Euro bereit.

Die Förderquote beträgt 30 %. Wir sind bereits dabei, einen entsprechenden Förderantrag vorzubereiten, denn die Frist zur Einreichung endet bereits am 15. April 2019, verrät der Verwaltungschef.

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