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Aus Klärschlamm einen Phosphor-Dünger gewinnen


Phosphor ist ein besonders wichtiges Element für das Pflanzenwachstum. Zudem ist Phosphor hauptverantwortlich für den Aufbau der Knochen, die DNA und die zelluläre Energieversorgung aller Organismen. Damit ist Phosphor für jedes Lebewesen ein essentieller und unersetzlicher Mineralstoff.

Die Rückgewinnung von Phosphor in Kläranlagen ist daher vom Gesetzgeber jetzt zu einer Pflicht gemacht worden.

Deutschland besitzt allerdings keine und Europa kaum nennenswerte eigene Phosphor-Vorkommen. Daher ist Deutschland ausschließlich auf Importe angewiesen. Das natürliche Phosphor-Vorkommen ist auf nur wenige Länder wie Marokko, die Westsahara, Südafrika, die USA, China und Jordanien beschränkt. Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass die dortigen Vorkommen nur noch 50 bis 200 Jahre reichen werden. Phosphor ist somit ein endlicher Rohstoff.

Umso wichtiger ist es, dass alternative Wege gegangen werden. Einer dieser neuen Wege ist die Gewinnung von Recycling-Phosphaten aus Klärschlamm oder aus Klärschlammasche, als Grundlage einer nachhaltigen Kreislaufführung. Schließlich landen die vom menschlichen Körper nicht verwertbaren Phosphorverbindungen über das Abwasser in den Kläranlagen.

Die Neufassung der Klärschlammverordnung sieht jetzt vor, dass Kläranlagen mit einer Größe von über 100.000 Einwohnerwerten ab 01.01.2029 und Kläranlagen über 50.000 Einwohnerwerten ab 01.01.2032 die Rückgewinnung des Rohrstoffs Phosphor sicherzustellen haben. Aber bereits nach heutiger Rechtslage hat ein Klärschlammerzeuger den anfallenden Klärschlamm möglichst hochwertig zu verwerten, was für das Element Phosphor bedeutet, dass dessen Rückführung in den Nährstoffkreislauf anzustreben ist.

Kleineren Kläranlagen ist es dagegen erlaubt, den Klärschlamm auch weiterhin landwirtschaftlich zu verwerten. Allerdings greifen für eine bodenbezogene Klärschlammverwertung bereits seit Oktober 2017 die deutlich verschärften Anforderungen der Düngeverordnung und der Düngemittelverordnung, die ebenfalls beide umfassend erneuert wurden.

Mit dem durchaus realistischen Ziel, die gesamte Abwasserentsorgung im Schlitzerland künftig CO2-neutral und damit absolut klimafreundlich machen zu können, werden auf dem Klärwerk in Hutzdorf zusätzlich noch Fremdschlämme aus anderen Kommunen und verschiedene

organische Abfälle von Gewerbe- und Industriebetrieben behandelt und vor allem energetisch, zu regenerativer Strom- und Wärmeenergie verwertet.

Zu den Partnern dieser gemeinsamen Klärschlammkooperation gehören neben der Marktgemeinde Niederaula, der Marktgemeinde Burghaun und dem Zweckverband Gruppenklärwerk Bad Salzschlirf-Wartenberg zwischenzeitlich auch der Zweckverband Gruppenklärwerk Hosenfeld-Großenlüder, die Gemeinde Schwalmtal und die Gemeinde Feldatal.

In der Summe aller kommunalen und gewerblichen Klärschlämme wird der Schwellenwert von 50.000 Einwohnerwerten mittlerweile deutlich überschritten, so dass die Stadt Schlitz von der gesetzlichen Pflicht zur Phosphor-Rückgewinnung betroffen ist.

Die Ausweitung der interkommunalen Zusammenarbeit sieht Bürgermeister Hans-Jürgen Schäfer aber keinesfalls als nachteilig für seine Stadt. Denn bei seinen Überlegungen zur Errichtung einer eigenen Anlage für eine Phosphor-Rückgewinnung ständen auch noch ganz andere, neue Herausforderungen im Fokus.

Wer sich im vergangenen Jahr mit dem Thema Klärschlammentsorgung ein wenig beschäftigt habe, der musste mit Erschrecken feststellen, welche Ausmaße die Kostensteigerungen von Monat zu Monat genommen hätten, so Schäfer. „Wir haben heute einen Marktpreis, der beim Drei- bis Vierfachen dessen liegt, was für die Entsorgung einer Tonne Klärschlamm noch vor den grundlegenden Gesetzesänderungen gezahlt werden musste“, führt der Verwaltungschef weiter aus.

Insofern möchte sich die Stadt Schlitz mit einer eigenen Anlage zur Gewinnung eines Phosphor-Düngers auch gleichzeitig frei machen von einer voraussichtlich weiterhin kostenintensiven Klärschlammentsorgung auf dem freien Markt.

Für das Recycling von Phosphor aus Klärschlamm haben sich mittlerweile die ersten Verfahrenstechniken etabliert. Vom zuständigen Technischen Leiter der Stadtwerke Frank Jahn wird ein mehrstufiges thermo-chemisches Behandlungsverfahren als eine der Möglichkeiten favorisiert, da für diese kompakte Anlagentechnik auch die Wirtschaftlichkeit für kleinere Kläranlagen nachgewiesen werden kann.

Am Ende eines solchen Recyclingverfahrens wird ein pflanzenverfügbarer Phosphordünger gewonnen, der wieder in den Stoffkreislauf zurückgeführt wird. „Der Klärschlamm wird bei diesem Prozess vollständig thermisch zersetzt und verwertet, so dass nur noch geringe Rückstände verbleiben und damit die heutigen Entsorgungskosten komplett wegfallen werden“, resümiert Jahn.

Das Land Hessen unterstützt seine Kommunen auf dem Weg zu einer ökologisch sinnvollen und wirtschaftlich tragfähigen Phosphor-Rückgewinnung mit einem entsprechenden Förderprogramm.

Gefördert werden zunächst sogenannte Machbarkeitsstudien zur Entwicklung regionaler Konzepte und in Folge dann auch geeignete Demonstrationsvorhaben im Land. Es wird eine Förderquote von bis zu 50 % in Aussicht gestellt.

Die Stadt Schlitz sieht mit der gelebten interkommunalen Zusammenarbeit die Basis für eine nachhaltige Ressourcenschonung durch eine eigene Phosphor-Rückgewinnung gelegt. Da das Phosphor-Recycling aus Klärschlamm heute noch ganz am Anfang steht, kann die Stadt Schlitz hier sogar eine Vorreiterrolle für andere Kommunen in Hessen einnehmen.

Die Möglichkeit, gemeinsam im Verbund mit den Nachbarkommunen einen wesentlichen Beitrag zu einer klima- und ressourcenschonenden Zukunft beisteuern zu können, hat den

Bürgermeister dazu bewogen, dieses Vorhaben im Wirtschaftsplan 2019 der Stadtwerke als eines der wegweisenden Projekte vorzuschlagen.

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