Historischer Stadtrundgang
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Historischer Stadtrundgang



Historischer Stadtrundgang



Übersicht











1 Evangelische Stadtkirche



2 Sandkirche



3 Vorderburg









4 Vorderburger Brunnen



5 Hinterburg



6 Hinterturm









7 Wohnbau der Hinterburg



8 Schachtenburg



9 Ottoburg









9 a Ehemalige Ottoburger Herrenschenke



9 b Marktbrunnen



10 Schloß Hallenburg









11 Rathaus



12 Benderhaus



13 Brauereihaus









14 Ehemaliges Gasthaus 'Zum Schwarzen Adler'



15 Evangelisches Pfarrhaus



16 Amtsschultheiß – Haus









17 Hospital Schlitzerland



18 Obertor



19 Niedertor









20 Stadtmauer



21 Berleburg



22 Auerhahn - Brauerei









23 Linsengäßchen



24 Judenfriedhof



25 Rot - Schilling - Haus









26 Judenschule



27 Gasthaus 'Zur Rose'



28 Blau - Schilling - Haus









29 Hohes Haus



30 Niedertor - Backhaus



31 Obertor - Backhaus









32 Schlitzer Kornbrennerei



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Stadtrundgang bei GoogleMaps


1 Evangelische Stadtkirche


Die evangelische Stadtkirche, ehemals Sankt Margarethen. Als dreischiffige romanische Säulenbasilika von dem Fuldaer Abt Ratgar erbaut, wurde sie am 20. September 812 vom Mainzer Erzbischof Richolf geweiht. Der Kirche wurde ein großer Sprengel beigegeben, der weit bis in den Vogelsberg und den Knüll und bis vor die Tore von Aisfeld reichte. Der Fuldafluß bildete seine östliche Grenze. Der Grenzbeschreibung dieses Schlitzer Kirchensprengeis verdankt eine Reihe von heute bedeutenden Orten ihre erste urkundliche Erwähnung.




Die Kirche in Schlitz ist eine der ältesten steinernen Sakralbauten, die außerhalb des unmittelbaren Fuldaer Klosterbezirks errichtet wurden. Bei ihrer Erbauung und bei der Beschreibung ihres Kirchensprengeis haben territoriale Abgrenzungen zum Kloster Hersfeld eine Rolle gespielt. Die Baugeschichte der Kirche hat den Fachleuten in der Vergangenheit große Rätsel aufgegeben. Bei den letzten Renovierungsarbeiten, die in den Jahren 1963 - 1966 durchgeführt wurden, konnten aber schlüssige Erkenntnisse gesammelt werden, die durch Ergebnisse intensiven Quellenstudiums bekräftigt wurden:

Die ursprüngliche Basilika stand auf der höchsten Stelle des Berges, dem jetzigen Westteil des Kirchenschiffes. Ihr östlicher Abschluß, der sich zwischen den jetzigen Turmpfeilern befunden haben muss, ist durch mehrere Kammergräber zerstört. Etwa in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde an die Ostseite der Basilika + Turm ein Querbau angefügt, dessen Schmalseiten nicht ganz in der Fluchtlinie der Basilika stehen. Im Kircheninnern befindet sich am SO - Pfeiler des Turms ein bemerkenswertes, aus einem Stein gehauenes Weihwasserbecken.

Unter staufischem Einfluß wurden gegen Ende des 13. Jahrhunderts der Chor mit seiner halbrunden Apsis, die Hauptgruft unter dem Chor und die Sakristei mit ihrer bemerkenswerten Apsidiole erbaut. Im 12. Jahrhundert wurden Querbau und Turm erhöht, in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts kamen die Barbarakapelle und der oktogonale Aufbau des Turmes dazu. Im Westteil wurde das vierfach gestufte Portal eingebaut, das zur 1100- Jahrfeier der Kirche mit einem sandsteinernen Tympanon versehen wurde. Dieses schuf der Bildhauer und damalige Direktor der Weimarer Kunstakademie Graf Emil Friedrich von Schlitz genannt von Görtz.

Einem seiner Vorfahren aus der Ottoburger Linie der Familie, Georg Heinrich von Schlitz g.v. Görtz, wurde in der Barbarakapelle ein Gedenkstein errichtet. Er war Minister des schwedischen Königs Karl XII., wurde nach dessen Tod im Jahre 1718 unter Anklage gestellt und nach einem politischen Prozeß ohne stichhaltige Beweise 1719 enthauptet, später rehabilitiert. Sein Leichnam ruht in der Gruft unter der Barbarakapelle, nachdem ihn seine treuen Diener unter schwierigen Umständen von Stockholm nach Hamburg und später nach Schlitz gebracht hatten.

Schon seit dem 13. Jahrhundert hatte man versucht, die verschiedenen Bauteile zu einem einheitlichen Kirchenraum zusammenzufassen. Dabei mussten die Außenwände der alten Basilika erhöht und verlängert werden. Außerdem wurden die niedrigen Turmbögen in beide Richtungen erhöht und die gemauerten Innenbögen mit Pfeilern (Arkaden) der ehemaligen Basilika entfernt, was zu erheblichen statischen Problemen führte. Der fast 30 Meter hohe Spitzhelm des Turms ist ein beachtliches (Fach-)Werk des 17. Jahrhunderts. Die im Volksmund als Paradies bezeichnete südliche Vorhalle der Kirche erhielt 1557 einen Renaissancegiebel, er trägt im Giebelfeld ein Bekenntnis zum protestantischen Glauben. Die beiden Seitentürmchen im Süden und Norden dienten als Treppentürme zu Emporen, die, gegen Ende des 16. Jahrhunderts errichtet, im Laufe der letzten Restaurierungsarbeiten entfernt wurden.

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2 Sandkirche


Die Sandkirche am städtischen Friedhof wurde im Jahre 1612 an der Stelle einer Vorgängerkirche erbaut, von der möglicherweise noch die spätgotischen Fensterlaibungen in Ostwand stammen. Sie ist eine der ältesten Querkirchen Deutschlands. Die kürzere Querachse bildet hier die Hauptachse der Kirche. Eine besondere Eigenart weist die Kanzel auf, die sowohl nach innen als auch nach außen benutzt werden kann und mit schönen Beschlagwerk - Ornamenten geschmückt ist. Die außen über der Eingangstür eingelassene Sandsteintafel mit einer lateinischen Inschrift im Rollwerkrahmen besagt, dass die Kirche Gott geweiht, im Jahre des Herrn 1612 erbaut worden ist, als Johann Reuber Schultheiß, Christoph Schellenberg Pfarrer, Stephan Frank Diakon, Hermann Hofmann, Johann Camerarius und Nikolaus Lintz Schöffen waren.




An der Außenwand neben der Kanzel sind zwei hervorragend gearbeitete barocke Epitaphe angebracht, die aus den Jahren 1625 und 1627 stammen. Die Bürgerschaft der Stadt Schlitz hatte zur Sandkirche, die ihren Namen von dem Flurstück Sandberg trägt, eine besonders innige Beziehung. So stiftete die Witwe Agnesa Heil, geb. Reuter, 1731 ihr Haus und ihre sämtlichen Güter der Sandkirche. Der Stiftungstext ist auf einem im Kircheninnern angebrachten Epitaph zu lesen.

An der Kirche befindet sich außen die sog. Schillingsgruft, die, 1645 angebaut, Anfang des 18. Jahrhunderts in den Besitz der Familie Schilling überging (deren Familienwappen über dem Eingang) und in den fünfziger Jahren zu einer Gedenkstätte für die Gefallenen beider Weltkriege umgestaltet wurde. Dass die Familie Schilling eine eigene Gruft besaß, läßt ihre Bedeutung für die Stadt erkennen. Der Schlitzer Friedhof, der sich seit Beginn der siebziger Jahre zusammen mit der Sandkirche in städtischem Besitz befindet, wurde 1591 angelegt. Zuvor gehörte er über Jahrhunderte der evangelischen Kirchengemeinde und wurde auch von ihr verwaltet.

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3 Vorderburg


Die Vorderburg, in der sich heute das Heimatmuseum und der Festsaal der Stadt Schlitz befinden, ist aus einem ursprünglich aus dem Mittelalter stammenden romanischen Wohnturm entstanden (Unterbau des Turms vor 1181). Der Kern des Ostflügels ist ebenfalls mittelalterlich, während der Westflügel um 1600 erbaut wurde Verschiedene Bauabschnitte lassen sich an dem zentralen, ehemaligen Wohnturm ablesen. Ein aus Altan und Treppenturm bestehender Vorbau,von denen noch Spuren zu erkennen sind, wurde 1812 abgerissen, das spätgotische Portal des Treppenturms befindet sich heute im Gartenausgang des Vorderburger Türmchens. Schmal- und Rückseiten der beiden Flügel des gewaltigen Gebäudes besitzen Renaissancegiebel.




Die Turmhaube stammtaus dem 16. Jahrhundert. Ein hölzerner, zum Teil barocker Treppenaufgang führt zu den verschiedenen Stockwerken. Im Parterre des Westflügels befindet sich die Gräflich-Görtzische Verwaltung. 1950 wurde in der Turmhaube ein aus 26 Glocken bestehendes Läutewerk eingerichtet, das sowohl elektronisch als auch manuell bedient werden kann. Nach dem Willen seines Stifters, des Grafen Otto Hartmann von Schlitz, soll dieses Glockenspiel der internationalen Verständigung dienen. Jeweils um 15.00 und um 17.00 Uhr erklingen im wöchentlichen Wechsel Volkslieder der verschiedenen Nationen über die Dächer der Stadt.

Die Vorderburg war die Schlitzer Hauptburg. In ihr hatte bis ins frühe 18. Jahrhundert der Senior der Ganerbengemeinschaft seinen Sitz. Die Ganerbengemeinschaft wurde aus den Linien der Vorderburger, Hinterburger, Schachtenburger, Ottoburger und Hallenburger Herren gebildet. 1720 ging durch das Aussterben des Mannesstamms der Vorderburger Linie der gesamte Besitz an die Hallenburger Linie über, deren Senior, Friedrich Wilhelm von Schlitz genannt von Görtz, hannoverscher Kammerpräsident und Staatsminister, im Jahre 1726 von Kaiser Karl VI. in den Reichsgrafenstand erhoben wurde.

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4 Vorderburger Brunnen


Der Vorderburger Brunnen, ein Schachtbrunnen mit einem hölzernen Brunnenhaus und einem hölzernen Räderwerk, wurde gegen 1600 errichtet. Der Brunnen war einst über 50 Meter tief und diente Mensch und Vieh zur Wasserversorgung. Unschwer läßt sich an der Anordnung der den Hof begrenzenden Gebäude ihr früherer landwirtschaftlicher Charakter erkennen. In dem langgestreckten, im Westen auf der Stadtmauer lagernden Gebäude waren zuletzt die herrschaftlichen Schafherden untergebracht. Nach einem Umbau in den sechziger Jahren wird dieses Gebäude jetzt als Hotel genutzt.




Das Brunnenhäuschen wurde von Professor Bodo Eckhardt im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. für den Ausbau der Hoch - Königsburg bei Schlettstadt im Elsaß kopiert. Wilhelm II. war Freund des Schlitzer Grafen Emil. Er weilte seit 1891 elfmal zu Besuch in Schlitz, was der damaligen Zeit entsprechend jedesmal mit einem hohen Aufwand und unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit gefeiert wurde. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Wasserversorgung der Innenstadt durch eine hölzerne Wasserleitung sichergestellt. An diese war neben dem Kumpf (Wasserbehälter) am Kumpftreppchen auch der alte Ziehbrunnen am Marktplatz angeschlossen.

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5 Hinterburg


Die Hinterburg, 1493 schon erwähnt, ist in ihrem Ursprung Teil der Schlitzer Stadtbefestigung. Der jetzige dreigeschossige Bau wurde von 1561 bis 1565 errichtet, im Jahre 1647 umgebaut. Diese Jahreszahl ist über dem Haupteingang festgehalten. Der in reinem Renaissancestil ausgeführte Baukörper wird durch prachtvolle Giebel und einen Treppenturm mit achteckigem Fachwerkaufbau geschmückt. Der Fachwerkaufbau ist mit einer welschen Haube versehen. Die Hinterburg, die im Lauf der Geschichte vielfache Verwendung gefunden hat, ist seit 1950 das Hauptgebäude der Graf Görtzischen Stiftung Altersheim. Diese Stiftung hat sich die Betreuung und Pflege älterer Menschen zur Aufgabe gemacht.

Mehrere Um- und Anbauten (z.B. eine katholische Kapelle mit sehenswerter, von den Münchner Werkstätten geschaffener Mosaikwand) haben in den vergangenen Jahrzehnten die Funktionsfähigkeit dieser Einrichtung erhöht, ohne dass dabei der ursprüngliche Charakter der Hinterburg gelitten hätte.

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6 Hinterturm


Der Hinterturm, Bergfried aus dem 14. Jahrhundert, hat eine Höhe von 36 Metern und wurde im Jahr 1906 nach altem Vorbild mit einer Steinhaube versehen. Seit dem 17. Jahrhundert trug er eine barocke Schieferhaube, die den gräflichen Wächtern als Wachstube diente. Der Turm ist heute ein beliebter Aussichtspunkt, den man bequem mit dem Fahrstuhl erreichen kann. Ursprünglich war das Turminnere nur durch einen wahrscheinlich hochklappbaren Steg zu betreten. Unterhalb des früheren Eingangs befanden sich mehrere Verliese, die von der gräflichen Landesherrschaft als Turmgefängnis benutzt wurden. Der heutige Turm wurde in mindestens zwei Bauabschnitten errichtet. Zusammen mit dem Turm der Stadtkirche und dem Turm der Vorderburg bildet er einen Dreiklang, der schon aus weiter Entfernung die charakteristische Silhouette von Schlitz erkennen läßt.

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7 Wohnbau der Hinterburg


Dieser zum Bergfried gehörige Wohnbau wurde 1553 mit einem rückwärtigen Treppenturm erbaut. Vom Dachstuhl aus führt eine Holzbrücke zum Hinterturm. Das Fachwerkgeschoß wurde 1653 aufgesetzt. Früher diente das Haus als Dienstwohnung gräflicher Beamter und als Rentnerei, es gehört jetzt zur Stiftung Altersheim, die vom Grafen Otto Hartmann von Schlitz und seiner Frau Marta Maria kurz nach dem 2. Weltkrieg zur Betreuung älterer Menschen gegründet wurde.

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8 Schachtenburg


Die Schachtenburg wurde im Jahre 1557 von der Witwe des hessischen Kriegsrates Wilhelm von Schachten, Elisabeth, Tochter des Junkers Werner von Schlitz, erbaut. Sowohl das mit einem Sandsteinstockwerk versehene Südhaus als auch das in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtete Nordhaus gehören nicht zu der alten, aus dem Mittelalter stammenden Stadtbefestigung. Das Portal der Schachtenburg vereinigt nachlebende Spätgotik mit Renaissance - Ornamentik und mit geheimnisvollen Symbolen. Die einfassenden Stäbe des Portals laufen am Scheitel in Ranken aus, die, sich ineinander verschlingend, eine Brezel bilden, als Zeichen der ineinander übergehenden Jahre oder auch als Sinnbild der Unendlichkeit. Die Brezel spielt im Brauchtum des Schlitzerlandes eine große Rolle, ist doch der Pate gehalten, am Neujahrstag dem Patenkind eine Brezel zu überreichen. Auch beim Kirmesumzug in Schlitz wird eine Brezel vorangetragen. Am Sockel des Portals sieht man Zeichen für Liebe, Ehe, Geburt und Tod.




Ein quadratisches Sandsteinrelief rechts neben der Tür trägt die Wappen derer von Schlitz und derer von Schachten. Darüber befindet sich eine Spottmaske, ein sogenannter Breilecker, der wahrscheinlich von einem der alten Schlitzer Stadttore stammt.

Die Schachtenburg ist heute Teil des Graf Görtzischen Altersheims, nachdem sie, vorher als Wohngebäude genutzt, auch eine Kapelle beherbergte, die der damals sehr kleinen katholischen Gemeinde für den Gottesdienst zur Verfügung stand.

In der Schachtenburg befand sich bis zum Jahre 1894 der Sitz des Großherzoglich Hesssischen Amtsgerichts.

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9 Ottoburg


Die Ottoburg ist ein frühbarockes Schloß, das von 1955 bis 1990 als Jugendherberge diente. Sie ist in zwei Bauabschnitten entstanden und steht auf der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Von den beiden den NO- Teil flankierenden Ecktürmen stammt der kleinere aus alter Zeit. Die ehemalige Stadtmauer ist im Keller des Gebäudes noch gut zu erkennen, im Kellergeschoß befindet sich auch eine steinerne Gedenktafel, die das Baujahr (1653) und den Bauherren (Otto Hartmann von Schlitz, Mitglied der "Fruchtbringenden Gesellschaft") nennt. Ihre heutige Gestalt hat die Ottoburg jedoch erst 1681 durch Otto Hartmanns Sohn, Philipp Friedrich von Schlitz und dessen Gemahlin, Juliane Elisabetha von Minnigerode, erhalten, deren Doppelwappen über dem Barockportal des Haupteingangs zu sehen ist.




Beim Bau der Ottoburg wurden alte Wehrgänge abgerissen und auch ein Teil des Wallgrabens zugeschüttet. Außerdem mussten einige an der Stadtmauer gelegene Häuser abgerissen werden. Dadurch kam es zu erheblichen Spannungen mit der Bürgerschaft, was auch mit den Stadtgerechtsamen und besonders mit den Privilegien zusammenhing, die den Bürgern der Innenstadt zustanden. Als streitbarer Geist erwies sich dabei der Metzger und Ratsherr Stoffel Hachenberg, dessen Namen wir noch an einer Scheune am Grabenberg finden.

Der Ottoburger Linie der Standesherrschaft entstammt der "Held von Rheinfels", Georg Ludwig Sittich von Schlitz, der als Hessen - Kasselischer Generalmajor 1792 die Feste Rheinfels bei St. Goar gegen eine starke Übermacht französischer Truppen erfolgreich verteidigte. In die europäische Geschichte ging auch Georg Heinrich von Görtz (1675-1719) ein, der ebenfalls der Ottoburger Linie entstammt. Als Diplomat war er an vielen europäischen Höfen tätig, zuletzt war er engster Vertrauter und Minister König Karls XII. von Schweden.

Dieser König führte über Jahrzehnte den sogenannten Nordischen Krieg und lag im Streit mit Polen, Rußland, Brandenburg - Preußen und Dänemark. Nachdem er vor Fredrikshald in Norwegen durch eine Kugel den Tod gefunden hatte, wurde Georg Heinrich von Görtz für die völlige Verarmung des Landes verantwortlich gemacht und am 3. März 1719 nach einem politischen Prozeß zu Stockholm enthauptet. Später rehabilitiert, starb mit ihm die Ottoburger Linie der Schlitzer Ganerbengemeinschaft aus. Voltaire, der Georg Heinrich persönlich gekannt hat, setzte ihm in seiner "Geschichte Karls XII." ein unvergängliches Denkmal.

Die Ottoburg diente nach dem 2. Weltkrieg mehreren heimatvertriebenen Familien als Wohnung. Heute befindet sie sich in Privathand.

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9 a Ehemalige Ottoburger Herrenschenke


Ehemalige Ottoburger Herrenschenke und Wirtshaus der Ottoburg. Nach dem Aussterben der Ottoburger Linie der Herren von Schlitz wurde das Haus im Jahre 1764 vom Rat der Stadt als "neues" Stadtwirtshaus gekauft. Es verfügt über besonders tiefe und geräumige Keller, die man dringend zur Einlagerung des Biers der vortorigen Schankwirte benötigte. Ursprünglich hatten nur die innerhalb des Burgenring behausten Bürger das Recht, Bier zu brauen, einzulagern und auszuschenken. Der Schankberechtigte hatte einen Wisch (Strohbündel als Ausschankzeichen) herauszuhängen, was heute noch in ähnlicher Form bei den Straußwirtschaften in Weingegenden festzustellen ist. 1819 ging das neue Stadtwirtshaus in Privathände über. Seit dieser Zeit besitzt die Stadt kein eigenes Wirtshaus mehr.

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9 b Marktbrunnen


Der Marktbrunnen diente früher als Schöpfbrunnen zur Wasserversorgung der Innenstadt. Der Steintrog wurde in seiner jetzigen Form im 16. Jahrhundert erstellt. An seinem oberen Rand kann man noch deutlich die Spuren seiner ursprünglichen Benutzung erkennen. Eisenbänder und Verbleiung wurden im Jahre 1749 angebracht. Später wurden dann die Quellen der Feldflur gefaßt und ihr Wasser durch hölzerne Rohrleitungen in den steinernen Brunnentrog geleitet. Die Rohre waren durch eiserne Manschetten miteinander verbunden.




Die Brunnenfigur St. Georg wurde im Jahr 1930 aufgestellt. Mit ihr hat sich die Familie Färbereibesitzer Schmidt ein Denkmal in ihrer Heimatstadt gesetzt. Eine besondere Beziehung zwischen St. Georg und der Schlitzer Geschichte besteht nicht, die Figur wird in der heimischen Mundart als "Bornschorsch" bezeichnet.

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10 Schloß Hallenburg


Die Hallenburg, Schloß und Residenz der Grafen von Schlitz, ehemals befestigtes Hofgut auf dem Flurstück "Hall" gelegen, wurde im 16. Jahrhundert ausgebaut. 1706 - 1712 entstand dann nach den Plänen des französischen Architekten Louis Remy de la Fosse ein neues, spätbarockes Schloß mit Mansardendach.




Seit 1720 war die Hallenburger Linie der Herren von Schlitz alleiniger Besitzer der Landesherrschaft, nachdem die übrigen Linien im Mannesstamm ausgestorben waren. Schloß Hallenburg diente seit dem 18. Jahrhundert der anfangs noch freiherrlichen, später gräflichen Familie als ständiger Wohnsitz. 1755 brannte die Hallenburg aus, wurde wieder instand gesetzt, sie erhielt ihr jetziges Aussehen um 1800 nach einem Umbau durch den Grafen Karl Heinrich, der das Mansardendach beseitigte und ein neues Stockwerk aufsetzte. Im gartenwärts liegenden Saal der Beletage befindet sich eine seltene florale chinesische Panoramatapete aus dem 18. Jahrhundert. 1954 hat Graf Otto Hartmann das Schloß der Stadt geschenkt. Diese richtete dort ein Gymnasium ein, das nach Einführung der Oberstufenreform geschlossen werden musste. Zu Schloß Hallenburg gehört der Schloßpark, der sich nach der Schenkung ebenfalls im Besitz der Stadt Schlitz befindet. Ursprünglich ein Park nach rationalistisch- französischem Vorbild, wurde die heutige Anlage zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach dem Muster englischer Landschaftsgärten grundlegend umgestaltet. Zahlreiche, auch exotische Gehölze wurden damals angepflanzt.

Das zur Hallenburg gehörende Burggut wird nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. Die barocken Fachwerkbauten, an denen Prof. Ritgen (vgl. Nr. 21) zum Teil seine Handschrift hinterlassen hat werden heute als Hotel, Veranstaltungs- und Restaurantkomplex genutzt. Die Hallenburg ansich ist Sitz der 1. Hess.  Landesmusikakademie.

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11 Rathaus


Das Rathaus zeigt in seinem älteren, verputzten Teil noch spätgotische Formen. Der Steinbau stammt aus dem 16. Jahrhundert. Drei Bogenportale und ein aus dem Jahre 1757 stammender Dachreiter mit Laterne und doppelter Haube heben das Rathaus aus der Menge der übrigen Häuser hervor. Im Rathaus befindet sich das Dienstzimmer des Bürgermeisters und das städtische Verkehrsamt. Der historische Sitzungssaal ist mit den Wappen alteingesessener Schlitzer Bürgerfamilien geschmückt. Die Heraldikforschung in Hessen hatte in dem in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts in Schlitz lebenden Oberpfarrer Knodt einen hervorragenden Fachmann zur Verfügung. Über der Eingangstür zum Sitzungszimmer steht in einem Fahnenband "Suchet der Stadt Bestes". Im Keller des Rathauses befindet sich eine Gefängniszelle, die zur vorübergehenden Festsetzung von Übeltätern benutzt wurde. Einen Pranger gab es am Rathaus nicht, dafür aber einen aus starken Holz- oder Eisenstäben bestehenden Käfig, einen sogenannten Triller, in dem die Verurteilten der Öffentlichkeit zur Schau gestellt wurden.

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12 Benderhaus


Das Benderhaus, erbaut um 1600, war ursprünglich als Fruchtboden und Speicherraum der Schlitzer Herrschaft eingerichtet. Wahrscheinlich wurde auch hier ein Teil der Früchte und Abgaben gelagert, die den Herren von Schlitz als Grundherren ihrer 16 Dörfer zustanden. Der Zehnte, der im Schlitzerland bis zum Jahre 1820 erhoben wurde, stand, aufgrund eines vom Frankenkönig Karl dem Großen erlassenen Gesetzes, ursprünglich nur den Klöstern zu. Im Laufe der jahrhundertelangen Bestrebungen nach mehr Selbständigkeit erlangten die fuldischen Lehnsleute immer mehr landesherrschaftliche Rechte ihrer Lehnsherren und nahmen den Zehnten für sich in Anspruch. Auch hier führte die Reformation zu einer rechtlichen Zäsur, die allerdings erst im Westfälischen Frieden, 1648, bestätigt wurde. Im Keller des Benderhauses, das nach dem 2. Weltkrieg in ein Wohngebäude umgewandelt wurde, hat sich in früheren Jahrhunderten eine Faßbinderei befunden, die dem Bau seinen Namen gab.

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13 Brauereihaus


Das Brauereihaus, 1788 erbaut, stellt einen Torbau mit Fachwerk und offenen Steinarkaden dar. Es bildet die historische Einfahrt zur Auerhahn- Brauerei, die 1585 im Schlitzer Stadtteil Sandlofs gegründet wurde (vgl. Nr. 22). An der Stelle des heute als Wohnhaus genutzten Gebäudes stand früher die Schachtenburger Herrenschenke, eine der fünf Herrenschenken der Schlitzer Ganerbengemeinschaft. Nach dem Umbau 1788 wurde die Wirtschaft auch das "neue Wirtshaus" genannt. Es schloß 1876 seine Pforten und wurde danach als

Braumeisterwohnung genutzt. Das Haus besitzt eine schöne Empire - Tür.

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14 Ehemaliges Gasthaus Zum Schwarzen Adler


Früher altes Stadtwirtshaus. Dieses musste seit dem frühen 17. Jahrhundert von den Schlitzer Bürgerbrauern im Umlauf des Brauloseverfahrens mit Bier versorgt werden. Dem Erzählen nach soll 1631 der kaiserliche Generalissimus Tilly in dem Haus übernachtet haben, als seine Truppen die hessische Burg Herzberg bei Breitenbach belagerten. 1764 ging das Haus in Privathand über und wurde später Schildwirtshaus "Zum Schwarzen Adler". 1869 - 1882 diente es als Posthalterei.

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15 Evangelisches Pfarrhaus


Das evangelische Pfarrhaus, erbaut im Jahre 1610, steht mit seiner Westseite auf der Stadtmauer. Der als Erbauer genannte Pfarrherr Christian Schellenberg musste während der von Fulda ausgehenden Gegenreformation dreimal seine Pfarrstelle verlassen.
Schlitz besaß sowohl in der katholischen als auch in der evangelischen Zeit vier Pfarrstellen, die ihren seelsorgerischen Dienst auch in den verschiedenen Filialgemeinden versahen. Die Inspektur, der auch die Aufsicht über die übrigen Schlitzerländer Pfarreien oblag, hatte in diesem Pfarrhaus ihren Sitz. Deshalb wird das Haus auch heute noch als Oberpfarrhaus bezeichnet.




Die alte Pfarrscheuer von 1647 ist 1926/27 zum Gemeindehaus ausgebaut und 1977 zum evangelischen Gemeindezentrum umgebaut worden. Im Garten des Oberpfarrhauses steht eine von zwei Säulen gebildete Laube, die an das Patrimonialgericht erinnert, wo Klagen gegen Sittlichkeitsvergehen vorgebracht wurden. Die mit einer Rundbank versehene Linde auf dem Platz zwischen Oberpfarrhaus und Kirche wurde zum 400. Geburtstag des Reformators Dr. Martin Luther im Jahre 1884 gepflanzt.

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16 Amtsschultheiß – Haus


Das Haus des Amtsschultheißen, in seiner gegenwärtigen Gestalt im Jahr 1786 erbaut, heute Geschäfts- und Wohnhaus der Kartonagenfabrik Kimpel. In dem Haus hatte ehemals der Amtsschultheiß seinen Sitz. Die Herren von Schlitz waren seit dem Mittelalter von der Fuldaer Stiftsherrschaft mit der niederen Gerichtsbarkeit ausgestattet. Sie übten die Patrimonialgerichtsbarkeit aber nicht selbst aus, sondern setzten zur Ausübung der Rechtspflege Gerichtsbeamte ein. Mit dieser Aufgabe war in Schlitz der Amtsschultheiß betraut. Aus der Musterungsliste des Jahres 1807 ist zu ersehen, dass der damalige Amtsschultheiß Adam Weber hieß, der von dem Schreiber Johann Konrad Beck unterstützt wurde. Das Gebäude war schon 1714 in Privatbesitz. Im Zusammenhang mit den anderen umliegenden Gebäuden kann vermerkt werden, dass gegen Ende des 18. Jahrhunderts eine Verlagerung mancher Funktionsgebäude der Gemeinde in die vortorigen Stadtbezirke erfolgte.

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17 Hospital Schlitzerland


Das Hospital wurde 1547 von den Brüdern Werner und Friedrich von Schlitz als Armen- und Siechenhaus gestiftet, 1810 wegen Baufälligkeit der alten Gebäude erneuert und mit einem Krankenhaus versehen. Zu der herrschaftlichen Stiftung kamen dann noch eine Suppenküche, eine Strick- und eine Sonntagsschule hinzu, die 1848 gegründete Kleinkinderschule wurde schließlich 1858 angegliedert. Die Straßenfront ist ein Zeugnis klassizistischen Fachwerkbaus. Über der Toreinfahrt ein Johanniterkreuz (Graf Karl war seit 1868 Kommendator des Johanniter-Ordens). Das Hospital Schlitzerland, seit 1864 von Diakonissen des Darmstädter Elisabethenstifts betreut, ist seit 1972 dem Eichhof- Krankenhaus in Lauterbach angeschlossen.




Zwei Abteilungen, für Geriatrie und für Plastische Chirurgie, stehen den Patienten zur Verfügung. Das Krankenhaus wurde seit dem 2. Weltkrieg durch zwei Erweiterungsbauten modernisiert und auf den neuesten medizinisch-technischen Stand gebracht.

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18 Obertor


Das Obertor bildet den Haupteingang zum Schlitzer Burgenring. Nur durch das Obertor war es möglich, mit Wagen und Gespann in das Innere des Burgenrings zu gelangen. Ursprünglich ist die Obertoranlage mit einer Zugbrücke versehen gewesen. Die frühere Sonnenapotheke, deren Fassade unbedingt wieder der historischen Umgebung angepaßt werden sollte, wurde in die das Tor flankierende Stadtmauer hineingebaut. Die starke Bastion der Vorderburg schützte das Obertor. Hier befand sich vermutlich die schwächste Stelle der Stadtbefestigung, die deshalb besonders geschützt werden musste. Die evangelische Kirchengemeinde ist in die Pfarrbezirke Obertor und Niedertor aufgeteilt. Diese Gliederung entspricht der früheren kommunalen Gliederung. Die Stadt wurde von zwei Bürgermeistern regiert, die sich jahrlich im Vorsitz des Stadtrats ablösten.

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19 Niedertor


Das Niedertor ist der südliche Eingang zum Burgenring. Der jetzt vorhandene Sandsteinbogen wurde 1930 errichtet. Das Gäßchen, das vom Marktplatz aus zum Niedertor führt, hieß früher das Torgäßchen. Das Niedertor war bis etwa gegen 1600 durch zwei starke Söller gesichert, die den Zwinger abschlössen, der den Burgenring in seinem Südteil umschloß. Der vor dem Zwinger befindliche Wallgraben wurde durch den von der Hainbuche an abgeleiteten Sengelbach gespeist. Oberhalb der inneren Zwingermauer bauten die brauberechtigen Burgfleckenbewohner gegen 1300 ein Gemeinschaftsbrauhaus, in dem im Reihelosverfahren Bier gebraut wurde. Nach Abbruch der Niedertorbefestigung wurde 1623 ein neues Stadtbrauhaus in den ehemaligen Zwinger gebaut. Die Gärkeller des alten und des neuen Brauhauses wurden miteinander verbunden und zu diesem Zweck die Stadtmauer durchbrochen. Das für das Bierbrauen notwendige Wasser wurde dem Sengelbach entnommen.

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20 Stadtmauer


Der Schlitzer Burgenring war mit einer starken und festen Mauer umgeben, die noch an verschiedenen Stellen zu sehen ist. Die Stadtmauer war mit Wehrgängen und Bastionen versehen. Außerdem umschloß ein mit Wasser gefüllter Wallgraben die äußere Mauer des Burgenrings, der teilweise noch mit einem Zwinger (schmaler, unbebauter Streifen zwischen innerer und äußerer Stadtmauer) umgeben war, welcher heute noch in Teilen erhalten ist. Besonders die beiden Toreingänge, das Obertor und das Niedertor, mussten durch starke Befestigungen geschützt werden. Die Bewohner der Stadt waren in Rotten eingeteilt. Jede Rotte hatte im Belagerungsfalle einen bestimmten Abschnitt der Mauer zu besetzen.

Mit Änderung der Kriegstechnik verloren die Stadtbefestigungen ihre Bedeutung. Die Verleihung des Marktrechts im Rahmen der Stadtrechtsverleihung erforderte mehr Platz in der Innenstadt. Während des 16. Jahrhunderts muss eine radikale Umplanung innerhalb des Burgenrings erfolgt sein. Die ehemaligen, nur der Verteidigung dienenden Burganlagen wurden im Stile der Zeit zu Wohnburgen umgebaut und teilweise mit ihrer Außenmauer auf die Stadtmauer aufgesetzt, wie das auch bei anderen Städten in Deutschland festzustellen ist. Bei diesen Umbauten wurden die alten Wehrgänge fast vollständig abgerissen. Der Hinterburger Söller und das kleine Türmchen am Abgang des Vorderburger Hofes erinnern noch an die ursprünglichen Befestigungsanlagen.

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21 Berleburg


Ehemals Villa Wittgenstein, erbaut 1859 nach Plänen des renommierten Architekten Hugo von Ritgen, des Restaurators der Wartburg bei Eisenach. Auftraggeber und Bauherr war Prinz Franz von Sayn - Wittgenstein - Berleburg, Schwager des Grafen Karl von Schlitz. Der sich heute in privater Hand befindliche Besitz mit seinen prachtvollen Fachwerkbauten ist ganz im Stile des Historismus gestaltet. Die dem gotischen Stil nachempfundenen Schmuckelemente, Andreaskreuze, Nasenbesatz und Dreipaßeinsätze sind deutlich zu erkennen. Die Berleburg wurde als Forstmeisterwohnung und Alterssitz gräflicher Familienangehöriger genutzt. Sie füngierte in den dreißiger Jahren u.a. als Jugendherberge. Im 2. Weltkrieg waren auch französische Kriegsgefangene darin untergebracht. Der dem Hauptgebäude gegenüberliegende Küchentrakt stand lange Zeit der hauswirtschaftlichen Berufsschule zur Verfügung.

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22 Auerhahn - Brauerei


Die Auerhahn- Brauerei wurde 1585 im Schlitzer Stadtteil Sandlofs gegründet. Im 17. Jahrhundert verfügten dann die verschiedenen Zweige der Schlitzer Ganerbenschaft über eigene Braustätten. Nachdem 1720 alle Familienzweige bis auf die Hallenburger Linie erloschen und der Besitz wieder in einer Hand vereinigt war, ließ Friedrich Wilhelm von Schlitz genannt von Görtz 1725 eine neue Zentralbrauerei auf dem Gelände hinter der Bachmühle unterhalb der Schachtenburg bauen. Seine Initialen und das Baujahr zeigt der Türsturzstein über dem Eingang in die sogegannte "Tenne". Von Um- und Neubauten ist noch der Neubau des Brauereihauses 1787- 88 (vgl. Nr. 13) zu nennen. 1967 ging die Brauerei in den Besitz der "Sämmtlichen Riedesel Freiherren zu Eisenbach" über.

Der Name "Auerhahn - Brauerei" ist jung, er dürfte erst kurz vor dem 1. Weltkrieg entstanden sein. Auerhähne galten bis in unser Jahrhundert als begehrte Jagdvögel. Kaiser Wilhelm II. hat deshalb auch wiederholt Schlitz besucht, um hier mit seinem Freund Graf Emil von Schlitz gemeinsam auf die Auerhahnjagd zu gehen. Im Jagdhaus am Eisenberg sind heute noch Schriftzüge des Kaisers zu sehen.

Die "Schlitz - Brauerei" in Milwaukee, U.S.A., hat nichts mit der Stadt Schlitz zu tun, sie trägt ihren Namen nach einem ihrer Besitzer.

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23 Linsengäßchen


Eine enge Gasse, deren straßenseitige Begrenzung ehemals durch den von der Hainbuche abgeleiteten Sengelbach gebildet wurde. Durch die Erweiterung des Gartens der Ottoburg wurde dessen Mauer nahe an die Häuser herangerückt, die wegen des Bachlaufs ihre Eingänge hinten hatten. Das unterschiedliche Niveau zur heutigen Brauhausstraße hin machte es möglich, den Bewohnern beim Begehen des Gäßchens heimlich in die rückwärtigen Räume zu sehen. Heimliches Zuschauen heißt in der Schlitzer Mundart "linsen". Ob das Gäßchen deshalb seinen Namen trägt? Die Behauptung, dass hier im 19. Jahrhundert ausschließlich jüdische Mitbürger wohnten, ist unzutreffend.

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24 Judenfriedhof


Der Judenfriedhof ist die Begräbnisstätte der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Schlitz "Auf der Quecker Liefe". Er wurde im Jahre 1899 angelegt, die erste Bestattung fand 1901 statt. Als letzter fand Aron Stern, der im KZ Buchenwald umgebracht worden war, 1938 hier seine letzte Ruhestätte.

Der Schlitzer jüdische Friedhof fällt etwas aus dem Rahmen des hessischen Umlands, das zahlreiche historische jüdische Friedhöfe aufzuweisen hat. Die Schlitzer jüdische Gemeinde ist nämlich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Dem Friedhof wird auch eine gewisse Pflege zuteil, was nicht ganz der jüdischen Tradition entspricht. Jüdische Friedhöfe sind Sinnbild der Vergänglichkeit alles Lebenden. Deswegen werden auch die meist schmucklosen Einzelgräber nicht gepflegt und eingesunkene Grabhügel nicht neu hergerichtet. Nach jüdischer Religion gibt es keine Begrenzung des Ruherechts der Toten, das unaufhörlich und für alle Zeiten besteht. Die Gesamtschule Schlitz, in der alle Kinder der Großgemeinde unterrichtet werden, hat sich verpflichtet, den jüdischen Friedhof in ihre Obhut zu nehmen. Dieser Auftrag soll Schüler und Lehrer stets an einen Zeitabschnitt der deutschen Geschichte erinnern, in dem Verblendung und rassische Überheblichkeit auch die jüdische Gemeinde in Schlitz in Mitleidenschaft gezogen hat, woran auch eine Gedenktafel am Rathaus erinnert.

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25 Rot - Schilling - Haus


Das Rot - Schilling - Haus wurde zusammen mit dem gegenüberliegenden Gebäude und einer leider im Zuge der Straßenneuführung abgebrochenen Schmiede gegen 1772 von der Familie Schilling erbaut, die als Leineweber und Handelsleute zu den begütertsten Bürgern der Stadt zählten. Diese reiche Familie bestand im 18. und 19. Jahrhundert aus drei Stämmen, den Rot -Schillings, den Blau - Schillings und den Weiß - Schillings (vgl.a. Nr. 2 und Nr. 28). Das Haus ist in Eichenfachwerk ausgeführt, wurde aber wahrscheinlich schon sehr früh mit Verputz und Schindelung versehen. Zeitweise war die Stadtkasse von Schlitz in dem Gebäude untergebracht.

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26 Judenschule


Judenschule und Synagoge. Die Judengesetzgebung der ehemaligen oberhessischen reichsritterschaftlichen Gebiete war recht unterschiedlich. In der Herrschaft Schlitz durften sich bis zur Aufhebung der Selbständigkeit keine Angehörigen mosaischen Glaubens ansiedeln. Sie hatten aber das Recht, dienstags und donnerstags Handel zu treiben (Schlitzer Handelsverordnung für Juden von 1799). Die ersten in Schlitz wohnhaften Juden waren zwei Metzger in der Hallenburg, die ab 1730 belegt sind. Danach haben sich dann erst wieder ab 1869 Angehörige des mosaischen Glaubens legal in Schlitz angesiedelt. Dies wurde möglich, nachdem nördliche Teile des Großherzogtums Hessen- Darmstadt dem neugegründeten Norddeutschen Bund zugeschlagen und in diesem Zusammenhang eine völlige Gleichstellung von Juden und anderen Bürgern gesetzlich verbrieft worden war. Um die Jahrhundertwende waren die Schlitzer Juden durch Zuwanderung vor allem aus Langenschwarz und Grebenau auf 15 Familien angewachsen. Nachdem Samuel Cahn 1899 das 1830 errichtete Kurmittel- und Badehaus ("Ludwigsbad") erworben hatte, wurde 1900 die Schlitzer jüdische Religionsgemeinde gegründet und in diesem Haus eine bescheidene Synagoge eingerichtet.

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27 Gasthaus Zur Rose


Das Gasthaus "Zur Rose", ehemalige Hinterburger Herrenschenke, heute im Besitz der Familien Bernstein - Möver. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts richteten die einzelnen Mitgliederfamilien der Schlitzer Ganerbengemeinschaft unter Umgehung der bürgerlichen Braugerechtsame Herrenschenken in der Stadt ein. Diese wurden gegen einen festen Betrag von 250 Gulden verpachtet und, im Gegensatz zu früheren Gewohnheiten, als gewerbliche Schenken im Dauerbetrieb bewirtschaftet. Die Dörfer der Herrschaft wurden den einzelnen Herrenschenken zugeteilt. Sie wurden dadurch verpflichtet, ihre Ehrengelage wie Hochzeit, Kindtauf und Weinkauf in den jeweiligen Herrenschenken durchzuführen.

Die Hinterburger Herrenschenke bildete insofern eine Besonderheit, als sie weit außerhalb der Ring(Stadt)mauer im Stadtteil Obertor erbaut wurde. Das Gebäude verfügt über besonders gut ausgebaute Gewölbekeller, die zur Einlagerung des Bieres unbedingt benötigt wurden.

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28 Blau - Schilling - Haus


Das Blau - Schilling - Haus, gegenwärtig Sitz der Schlitzer Volksbank, bildet mit dem schräg gegenüberliegenden Rot - Schilling - Haus (vgl. Nr. 25) und einer leider wegen der heutigen Straßenführung abgerissenen Schmiede mit Scheune eine bauliche Einheit. Das Gebäude, das in verschiedenen Abschnitten errichtet und umgebaut wurde und um 1700 dem herrschaftlichen Rentmeister Merklein gehörte, dürfte seine jetzige Fassadenfront um 1772 erhalten haben. Es wurde 1764 von Johann Philipp Schilling erworben. 1733 geboren, gehörte der Begründer des Blauen Stammes der Familie Schilling zu den vermögendsten Bürgern seiner Zeit in Schlitz. Er war Leineweber -Meister, Ratsherr und auch Bürgermeister in Schlitz. Seine 1827 geborene Urenkelin Dorothea war die Stamm - Mutter der Kochs Erben, \ in denen die Volksbank das Gebäude erworben hat. Von 1877 bis 1898 war im Blau -Schilling - Haus das Schlitzer Postamt untergebracht. Die jugendstilartigen Ornamente über der Tür und im Giebelfeld zeugen wohl von der einst amtlichen Funktion dieses Gebäudes.

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29 Hohes Haus


Das Hohe Haus wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet. Es war die Herrenschenke der Vorderburg. Mit der Herrenschenke verbunden war ein in der Nähe liegendes Brauhaus. Ursprünglich hatten die Herren von Schlitz ihr Braulehen verloren, als sie sich 1265 am Aufstand der Fuldaer Lehnsleute beteiligt hatten und dabei von dem streitbaren Abt Bertho von Leibolz besiegt worden waren. Dieser, ein kluger politischer Kopf, hatte die Braugerechtsame innerhalb des Burgenrings den Fleckenbewohnern übertragen. Die Herren von Schlitz konnten sich zwar am Reihenbrauverfahren der Bürgerbrauer im Gemeindebrauhaus beteiligen, aber besondere Privilegien standen ihnen nicht zu. Dieser Rechtszustand änderte sich, als die Schlitzer Herren, auch durch die Reformation begünstigt, mehr Unabhängigkeit von ihren Lehnsherren, den Fürstäbten von Fulda, erlangten. Sie gründeten 1585 in dem Dorf Sandlofs eine eigene Brauerei und sahen in den Schlitzer Bürgerbrauern lästige Konkurrenten. Mit der Errichtung von Herrenschenken innerhalb des Burgenrings zu Beginn des 17. Jahrhunderts griffen sie demonstrativ in die verbrieften Gerechtsame der Bürgerbrauer ein, was einen Höhepunkt in der fast zweihundertjährigen Auseinandersetzung zwischen Herrschaft und Bürgern darstellt.

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30 Niedertor - Backhaus


Das Niedertor- Backhaus, 1816/17 an dieser Stelle errichtet, heute im Besitz der Firma Horst Sitzmann. Ursprünglich gehörte neben dem Schlachten und Bierbrauen auch das Brotbacken zu den häuslichen Pflichten der Frauen. Es ist anzunehmen, dass sich auch in Schlitz in jedem größeren Haus ein eigener Backofen befunden hat. Später entstanden gewerbliche Bäckereien, die zum Teil im Reihumverfahren backten.

Die Ackerbürger schlössen sich zu Backvereinen zusammen. Nach der hergebrachten kommunalen Gliederung entstanden ein Backverein Nieder- oder Untertor und ein Backverein Obertor. Diese verfügten über eigene Backhäuser, die verpachtet wurden. Das selbst erzeugte Mehl wurde dem jeweiligen Bäcker geliefert, der es gegen Backlohn in Brot verwandelte. Die Höhe des Backlohns beschloß der Backverein, ein Verfahren, das in der Vergangenheit des öfteren zu Streitereien geführt hat und, weil nicht mehr zeitgemäß, in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts eingestellt wurde.

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31 Obertor - Backhaus


Bis in die sechziger Jahre unseres Jahrhunderts Gemeinschaftsbackhaus des Backvereins Obertor. Die Bäckerei war verpachtet. Die Mitglieder des Backvereins Obertor konnten im Mehlumtauschverfahren gegen einen Backlohn ihr Brot dort backen lassen. Aus Konkurrenzgründen hatten die gewerblichen Bäckereien in der Stadt ebenfalls das Mehlumtauschverfahren eingeführt. Die Mitglieder des Backvereins wurden weitgehend von kleineren Landwirten und Ackerbauern gestellt.

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32 Schlitzer Kornbrennerei


Die heutige Schlitzer Kornbrennerei der Hessischen Staatsdomäne Karlshof befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Schafhofes, der 1620 von Dietrich von Schachten errichtet wurde. Seine Initialen und die Jahreszahl sind über der Tür des schönen Fachwerkhauses zu sehen, in dem heute der Brennmeister wohnt. Dietrich von Schachten ist der Enkel des Schachtenburgerbauers (vgl. Nr. 8), er bekleidete in Schlitz u.a. das Amt des Schultheißen. Auf ihn geht auch der südliche Emporenturm unserer Stadtkirche zurück, der sein Wappen und seinen Namen trägt.

Nachdem der von Schachtensche Besitz 1637 auf die Familie von Görtz übergegangen war, befand sich hier weiter der Vorderburger Schafhof, der 1912 von einer Meierei abgelöst wurde. 1969 kaufte der Hessische Staat das Anwesen zusammen mit dem Vorwerk - Gut "Karlshof" und faßte beide Einrichtungen unter dem eingangs genannten Namen zusammen. Die heutige Schlitzer Kornbrennerei erfreut sich eines guten Rufes und hat schon zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

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