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Die Kirche in Schlitz ist eine der ältesten steinernen Sakralbauten, die außerhalb des unmittelbaren Fuldaer Klosterbezirks errichtet wurden. Bei ihrer Erbauung und bei der Beschreibung ihres Kirchensprengeis haben territoriale Abgrenzungen zum Kloster Hersfeld eine Rolle gespielt. Die Baugeschichte der Kirche hat den Fachleuten in der Vergangenheit große Rätsel aufgegeben. Bei den letzten Renovierungsarbeiten, die in den Jahren 1963 - 1966 durchgeführt wurden, konnten aber schlüssige Erkenntnisse gesammelt werden, die durch Ergebnisse intensiven Quellenstudiums bekräftigt wurden:
Die ursprüngliche Basilika stand auf der höchsten Stelle des Berges, dem jetzigen Westteil des Kirchenschiffes. Ihr östlicher Abschluß, der sich zwischen den jetzigen Turmpfeilern befunden haben muss, ist durch mehrere Kammergräber zerstört. Etwa in der 2. Hälfte des 11. Jahrhunderts wurde an die Ostseite der Basilika + Turm ein Querbau angefügt, dessen Schmalseiten nicht ganz in der Fluchtlinie der Basilika stehen. Im Kircheninnern befindet sich am SO - Pfeiler des Turms ein bemerkenswertes, aus einem Stein gehauenes Weihwasserbecken.
Unter staufischem Einfluß wurden gegen Ende des 13. Jahrhunderts der Chor mit seiner halbrunden Apsis, die Hauptgruft unter dem Chor und die Sakristei mit ihrer bemerkenswerten Apsidiole erbaut. Im 12. Jahrhundert wurden Querbau und Turm erhöht, in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts kamen die Barbarakapelle und der oktogonale Aufbau des Turmes dazu. Im Westteil wurde das vierfach gestufte Portal eingebaut, das zur 1100- Jahrfeier der Kirche mit einem sandsteinernen Tympanon versehen wurde. Dieses schuf der Bildhauer und damalige Direktor der Weimarer Kunstakademie Graf Emil Friedrich von Schlitz genannt von Görtz.
Einem seiner Vorfahren aus der Ottoburger Linie der Familie, Georg Heinrich von Schlitz g.v. Görtz, wurde in der Barbarakapelle ein Gedenkstein errichtet. Er war Minister des schwedischen Königs Karl XII., wurde nach dessen Tod im Jahre 1718 unter Anklage gestellt und nach einem politischen Prozeß ohne stichhaltige Beweise 1719 enthauptet, später rehabilitiert. Sein Leichnam ruht in der Gruft unter der Barbarakapelle, nachdem ihn seine treuen Diener unter schwierigen Umständen von Stockholm nach Hamburg und später nach Schlitz gebracht hatten.
Schon seit dem 13. Jahrhundert hatte man versucht, die verschiedenen Bauteile zu einem einheitlichen Kirchenraum zusammenzufassen. Dabei mussten die Außenwände der alten Basilika erhöht und verlängert werden. Außerdem wurden die niedrigen Turmbögen in beide Richtungen erhöht und die gemauerten Innenbögen mit Pfeilern (Arkaden) der ehemaligen Basilika entfernt, was zu erheblichen statischen Problemen führte. Der fast 30 Meter hohe Spitzhelm des Turms ist ein beachtliches (Fach-)Werk des 17. Jahrhunderts. Die im Volksmund als Paradies bezeichnete südliche Vorhalle der Kirche erhielt 1557 einen Renaissancegiebel, er trägt im Giebelfeld ein Bekenntnis zum protestantischen Glauben. Die beiden Seitentürmchen im Süden und Norden dienten als Treppentürme zu Emporen, die, gegen Ende des 16. Jahrhunderts errichtet, im Laufe der letzten Restaurierungsarbeiten entfernt wurden.
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An der Außenwand neben der Kanzel sind zwei hervorragend gearbeitete barocke Epitaphe angebracht, die aus den Jahren 1625 und 1627 stammen. Die Bürgerschaft der Stadt Schlitz hatte zur Sandkirche, die ihren Namen von dem Flurstück Sandberg trägt, eine besonders innige Beziehung. So stiftete die Witwe Agnesa Heil, geb. Reuter, 1731 ihr Haus und ihre sämtlichen Güter der Sandkirche. Der Stiftungstext ist auf einem im Kircheninnern angebrachten Epitaph zu lesen.
An der Kirche befindet sich außen die sog. Schillingsgruft, die, 1645 angebaut, Anfang des 18. Jahrhunderts in den Besitz der Familie Schilling überging (deren Familienwappen über dem Eingang) und in den fünfziger Jahren zu einer Gedenkstätte für die Gefallenen beider Weltkriege umgestaltet wurde. Dass die Familie Schilling eine eigene Gruft besaß, läßt ihre Bedeutung für die Stadt erkennen. Der Schlitzer Friedhof, der sich seit Beginn der siebziger Jahre zusammen mit der Sandkirche in städtischem Besitz befindet, wurde 1591 angelegt. Zuvor gehörte er über Jahrhunderte der evangelischen Kirchengemeinde und wurde auch von ihr verwaltet.
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Die Turmhaube stammtaus dem 16. Jahrhundert. Ein hölzerner, zum Teil barocker Treppenaufgang führt zu den verschiedenen Stockwerken. Im Parterre des Westflügels befindet sich die Gräflich-Görtzische Verwaltung. 1950 wurde in der Turmhaube ein aus 26 Glocken bestehendes Läutewerk eingerichtet, das sowohl elektronisch als auch manuell bedient werden kann. Nach dem Willen seines Stifters, des Grafen Otto Hartmann von Schlitz, soll dieses Glockenspiel der internationalen Verständigung dienen. Jeweils um 15.00 und um 17.00 Uhr erklingen im wöchentlichen Wechsel Volkslieder der verschiedenen Nationen über die Dächer der Stadt.
Die Vorderburg war die Schlitzer Hauptburg. In ihr hatte bis ins frühe 18. Jahrhundert der Senior der Ganerbengemeinschaft seinen Sitz. Die Ganerbengemeinschaft wurde aus den Linien der Vorderburger, Hinterburger, Schachtenburger, Ottoburger und Hallenburger Herren gebildet. 1720 ging durch das Aussterben des Mannesstamms der Vorderburger Linie der gesamte Besitz an die Hallenburger Linie über, deren Senior, Friedrich Wilhelm von Schlitz genannt von Görtz, hannoverscher Kammerpräsident und Staatsminister, im Jahre 1726 von Kaiser Karl VI. in den Reichsgrafenstand erhoben wurde.
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Das Brunnenhäuschen wurde von Professor Bodo Eckhardt im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. für den Ausbau der Hoch - Königsburg bei Schlettstadt im Elsaß kopiert. Wilhelm II. war Freund des Schlitzer Grafen Emil. Er weilte seit 1891 elfmal zu Besuch in Schlitz, was der damaligen Zeit entsprechend jedesmal mit einem hohen Aufwand und unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit gefeiert wurde. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Wasserversorgung der Innenstadt durch eine hölzerne Wasserleitung sichergestellt. An diese war neben dem Kumpf (Wasserbehälter) am Kumpftreppchen auch der alte Ziehbrunnen am Marktplatz angeschlossen.
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 Die Schachtenburg wurde im Jahre 1557 von der Witwe des hessischen Kriegsrates Wilhelm von Schachten, Elisabeth, Tochter des Junkers Werner von Schlitz, erbaut. Sowohl das mit einem Sandsteinstockwerk versehene Südhaus als auch das in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtete Nordhaus gehören nicht zu der alten, aus dem Mittelalter stammenden Stadtbefestigung. Das Portal der Schachtenburg vereinigt nachlebende Spätgotik mit Renaissance - Ornamentik und mit geheimnisvollen Symbolen. Die einfassenden Stäbe des Portals laufen am Scheitel in Ranken aus, die, sich ineinander verschlingend, eine Brezel bilden, als Zeichen der ineinander übergehenden Jahre oder auch als Sinnbild der Unendlichkeit. Die Brezel spielt im Brauchtum des Schlitzerlandes eine große Rolle, ist doch der Pate gehalten, am Neujahrstag dem Patenkind eine Brezel zu überreichen. Auch beim Kirmesumzug in Schlitz wird eine Brezel vorangetragen. Am Sockel des Portals sieht man Zeichen für Liebe, Ehe, Geburt und Tod. |  | 

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Ein quadratisches Sandsteinrelief rechts neben der Tür trägt die Wappen derer von Schlitz und derer von Schachten. Darüber befindet sich eine Spottmaske, ein sogenannter Breilecker, der wahrscheinlich von einem der alten Schlitzer Stadttore stammt.
Die Schachtenburg ist heute Teil des Graf Görtzischen Altersheims, nachdem sie, vorher als Wohngebäude genutzt, auch eine Kapelle beherbergte, die der damals sehr kleinen katholischen Gemeinde für den Gottesdienst zur Verfügung stand.
In der Schachtenburg befand sich bis zum Jahre 1894 der Sitz des Großherzoglich Hesssischen Amtsgerichts.
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Beim Bau der Ottoburg wurden alte Wehrgänge abgerissen und auch ein Teil des Wallgrabens zugeschüttet. Außerdem mussten einige an der Stadtmauer gelegene Häuser abgerissen werden. Dadurch kam es zu erheblichen Spannungen mit der Bürgerschaft, was auch mit den Stadtgerechtsamen und besonders mit den Privilegien zusammenhing, die den Bürgern der Innenstadt zustanden. Als streitbarer Geist erwies sich dabei der Metzger und Ratsherr Stoffel Hachenberg, dessen Namen wir noch an einer Scheune am Grabenberg finden.
Der Ottoburger Linie der Standesherrschaft entstammt der "Held von Rheinfels", Georg Ludwig Sittich von Schlitz, der als Hessen - Kasselischer Generalmajor 1792 die Feste Rheinfels bei St. Goar gegen eine starke Übermacht französischer Truppen erfolgreich verteidigte. In die europäische Geschichte ging auch Georg Heinrich von Görtz (1675-1719) ein, der ebenfalls der Ottoburger Linie entstammt. Als Diplomat war er an vielen europäischen Höfen tätig, zuletzt war er engster Vertrauter und Minister König Karls XII. von Schweden.
Dieser König führte über Jahrzehnte den sogenannten Nordischen Krieg und lag im Streit mit Polen, Rußland, Brandenburg - Preußen und Dänemark. Nachdem er vor Fredrikshald in Norwegen durch eine Kugel den Tod gefunden hatte, wurde Georg Heinrich von Görtz für die völlige Verarmung des Landes verantwortlich gemacht und am 3. März 1719 nach einem politischen Prozeß zu Stockholm enthauptet. Später rehabilitiert, starb mit ihm die Ottoburger Linie der Schlitzer Ganerbengemeinschaft aus. Voltaire, der Georg Heinrich persönlich gekannt hat, setzte ihm in seiner "Geschichte Karls XII." ein unvergängliches Denkmal.
Die Ottoburg diente nach dem 2. Weltkrieg mehreren heimatvertriebenen Familien als Wohnung. Heute befindet sie sich in Privathand.
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Die Brunnenfigur St. Georg wurde im Jahr 1930 aufgestellt. Mit ihr hat sich die Familie Färbereibesitzer Schmidt ein Denkmal in ihrer Heimatstadt gesetzt. Eine besondere Beziehung zwischen St. Georg und der Schlitzer Geschichte besteht nicht, die Figur wird in der heimischen Mundart als "Bornschorsch" bezeichnet.
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Seit 1720 war die Hallenburger Linie der Herren von Schlitz alleiniger Besitzer der Landesherrschaft, nachdem die übrigen Linien im Mannesstamm ausgestorben waren. Schloß Hallenburg diente seit dem 18. Jahrhundert der anfangs noch freiherrlichen, später gräflichen Familie als ständiger Wohnsitz. 1755 brannte die Hallenburg aus, wurde wieder instand gesetzt, sie erhielt ihr jetziges Aussehen um 1800 nach einem Umbau durch den Grafen Karl Heinrich, der das Mansardendach beseitigte und ein neues Stockwerk aufsetzte. Im gartenwärts liegenden Saal der Beletage befindet sich eine seltene florale chinesische Panoramatapete aus dem 18. Jahrhundert. 1954 hat Graf Otto Hartmann das Schloß der Stadt geschenkt. Diese richtete dort ein Gymnasium ein, das nach Einführung der Oberstufenreform geschlossen werden musste. Zu Schloß Hallenburg gehört der Schloßpark, der sich nach der Schenkung ebenfalls im Besitz der Stadt Schlitz befindet. Ursprünglich ein Park nach rationalistisch- französischem Vorbild, wurde die heutige Anlage zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach dem Muster englischer Landschaftsgärten grundlegend umgestaltet. Zahlreiche, auch exotische Gehölze wurden damals angepflanzt.
Das zur Hallenburg gehörende Burggut wird nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. Die barocken Fachwerkbauten, an denen Prof. Ritgen (vgl. Nr. 21) zum Teil seine Handschrift hinterlassen hat werden heute als Hotel, Veranstaltungs- und Restaurantkomplex genutzt. Die Hallenburg ansich ist Sitz der 1. Hess. Landesmusikakademie.
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 Das Benderhaus, erbaut um 1600, war ursprünglich als Fruchtboden und Speicherraum der Schlitzer Herrschaft eingerichtet. Wahrscheinlich wurde auch hier ein Teil der Früchte und Abgaben gelagert, die den Herren von Schlitz als Grundherren ihrer 16 Dörfer zustanden. Der Zehnte, der im Schlitzerland bis zum Jahre 1820 erhoben wurde, stand, aufgrund eines vom Frankenkönig Karl dem Großen erlassenen Gesetzes, ursprünglich nur den Klöstern zu. Im Laufe der jahrhundertelangen Bestrebungen nach mehr Selbständigkeit erlangten die fuldischen Lehnsleute immer mehr landesherrschaftliche Rechte ihrer Lehnsherren und nahmen den Zehnten für sich in Anspruch. Auch hier führte die Reformation zu einer rechtlichen Zäsur, die allerdings erst im Westfälischen Frieden, 1648, bestätigt wurde. Im Keller des Benderhauses, das nach dem 2. Weltkrieg in ein Wohngebäude umgewandelt wurde, hat sich in früheren Jahrhunderten eine Faßbinderei befunden, die dem Bau seinen Namen gab.
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Die alte Pfarrscheuer von 1647 ist 1926/27 zum Gemeindehaus ausgebaut und 1977 zum evangelischen Gemeindezentrum umgebaut worden. Im Garten des Oberpfarrhauses steht eine von zwei Säulen gebildete Laube, die an das Patrimonialgericht erinnert, wo Klagen gegen Sittlichkeitsvergehen vorgebracht wurden. Die mit einer Rundbank versehene Linde auf dem Platz zwischen Oberpfarrhaus und Kirche wurde zum 400. Geburtstag des Reformators Dr. Martin Luther im Jahre 1884 gepflanzt.
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Zwei Abteilungen, für Geriatrie und für Plastische Chirurgie, stehen den Patienten zur Verfügung. Das Krankenhaus wurde seit dem 2. Weltkrieg durch zwei Erweiterungsbauten modernisiert und auf den neuesten medizinisch-technischen Stand gebracht.
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 Der Judenfriedhof ist die Begräbnisstätte der ehemaligen jüdischen Gemeinde von Schlitz "Auf der Quecker Liefe". Er wurde im Jahre 1899 angelegt, die erste Bestattung fand 1901 statt. Als letzter fand Aron Stern, der im KZ Buchenwald umgebracht worden war, 1938 hier seine letzte Ruhestätte.
Der Schlitzer jüdische Friedhof fällt etwas aus dem Rahmen des hessischen Umlands, das zahlreiche historische jüdische Friedhöfe aufzuweisen hat. Die Schlitzer jüdische Gemeinde ist nämlich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Dem Friedhof wird auch eine gewisse Pflege zuteil, was nicht ganz der jüdischen Tradition entspricht. Jüdische Friedhöfe sind Sinnbild der Vergänglichkeit alles Lebenden. Deswegen werden auch die meist schmucklosen Einzelgräber nicht gepflegt und eingesunkene Grabhügel nicht neu hergerichtet. Nach jüdischer Religion gibt es keine Begrenzung des Ruherechts der Toten, das unaufhörlich und für alle Zeiten besteht. Die Gesamtschule Schlitz, in der alle Kinder der Großgemeinde unterrichtet werden, hat sich verpflichtet, den jüdischen Friedhof in ihre Obhut zu nehmen. Dieser Auftrag soll Schüler und Lehrer stets an einen Zeitabschnitt der deutschen Geschichte erinnern, in dem Verblendung und rassische Überheblichkeit auch die jüdische Gemeinde in Schlitz in Mitleidenschaft gezogen hat, woran auch eine Gedenktafel am Rathaus erinnert.
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 Das Hohe Haus wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts errichtet. Es war die Herrenschenke der Vorderburg. Mit der Herrenschenke verbunden war ein in der Nähe liegendes Brauhaus. Ursprünglich hatten die Herren von Schlitz ihr Braulehen verloren, als sie sich 1265 am Aufstand der Fuldaer Lehnsleute beteiligt hatten und dabei von dem streitbaren Abt Bertho von Leibolz besiegt worden waren. Dieser, ein kluger politischer Kopf, hatte die Braugerechtsame innerhalb des Burgenrings den Fleckenbewohnern übertragen. Die Herren von Schlitz konnten sich zwar am Reihenbrauverfahren der Bürgerbrauer im Gemeindebrauhaus beteiligen, aber besondere Privilegien standen ihnen nicht zu. Dieser Rechtszustand änderte sich, als die Schlitzer Herren, auch durch die Reformation begünstigt, mehr Unabhängigkeit von ihren Lehnsherren, den Fürstäbten von Fulda, erlangten. Sie gründeten 1585 in dem Dorf Sandlofs eine eigene Brauerei und sahen in den Schlitzer Bürgerbrauern lästige Konkurrenten. Mit der Errichtung von Herrenschenken innerhalb des Burgenrings zu Beginn des 17. Jahrhunderts griffen sie demonstrativ in die verbrieften Gerechtsame der Bürgerbrauer ein, was einen Höhepunkt in der fast zweihundertjährigen Auseinandersetzung zwischen Herrschaft und Bürgern darstellt.
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 Das Niedertor- Backhaus, 1816/17 an dieser Stelle errichtet, heute im Besitz der Firma Horst Sitzmann. Ursprünglich gehörte neben dem Schlachten und Bierbrauen auch das Brotbacken zu den häuslichen Pflichten der Frauen. Es ist anzunehmen, dass sich auch in Schlitz in jedem größeren Haus ein eigener Backofen befunden hat. Später entstanden gewerbliche Bäckereien, die zum Teil im Reihumverfahren backten.
Die Ackerbürger schlössen sich zu Backvereinen zusammen. Nach der hergebrachten kommunalen Gliederung entstanden ein Backverein Nieder- oder Untertor und ein Backverein Obertor. Diese verfügten über eigene Backhäuser, die verpachtet wurden. Das selbst erzeugte Mehl wurde dem jeweiligen Bäcker geliefert, der es gegen Backlohn in Brot verwandelte. Die Höhe des Backlohns beschloß der Backverein, ein Verfahren, das in der Vergangenheit des öfteren zu Streitereien geführt hat und, weil nicht mehr zeitgemäß, in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts eingestellt wurde.
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