Ein Weihnachtsmärchen frei nach Junker Hasso v. Hofmannsthal
Es begab sich zu der Zeit, als sich mutige und ideenreiche Kaufleute unserer Stadt in einer Taverne zu geselligem Umtrunk zusammenfanden.
Bei reichlich deftigen Speisen und ebenso reichlich Getränken, wurde die Idee geboren, so erzählt man sich, der Stadt ein neues Wahrzeichen zu schenken.
Da den Kaufleuten aufgefallen war, dass zu den kalten Tagen hin das Fußvolk und die reisenden Händler nur selten in den dunklen und leeren Gassen verweilten, beschlossen sie, der Stadt ein Licht aufgehen zu lassen.
So trugen sie denn alles Gold und Silber zusammen, um ein gar wunderbares Bauwerk entstehen zu lassen.
Aus einem nahegelegenen Ort wurde ein Künstler, vertraut im Umgang mit der Zeichenfeder, herbeigeholt, der alle Zeichnungen hierzu auf wertvollem Pergament entwarf.
Auch wurden Gesandte in eine viele Tagesreisen von hier entfernte Stadt am Rhein geschickt. Es war die Stadt, in der ein großer "Kohl" über alle Menschen des Landes regierte.
Hier kauften sie lange Gewänder aus Purpur, um ein wahrhaft prächtiges Kleid gedeihen zu lassen.
Der alteingesessene Handwerksmeister GÖTTLICHER, gar besonders begabt im Umgang mit Erzen und anderen edlen Metallen, holte seine Handwerksburschen und schuf eine Kerzenflamme von gewaltiger Höhe, die weit über die Mauern der Burgenstadt Schlitz hinwegleuchten sollte.
Der Kaufmann DRIESSEN, überall bekannt für seine seidenen und glänzenden Stoffe, nähte mit zahlreichen Schneidern viele Stunden am Tag und schuf so ein edles und majestätisch aussehendes Gewand von beachtlicher Länge.
So rückte nun der Tag, wo man den Bürgern die Weihnachtskerze |  | zeigen wollte, immer näher.
Die Kaufleute trafen sich nun abermals zur lustigen Runde in einer Herberge und beschlossen in ihrem weisen Rat, diesen ehrwürdigen Tag des Einweihungsfestes am
Donnerstag, dem 28. November anno domini 1991
stattfinden zu lassen.
Gaukler, Puppenspieler, Zirkusvolk, Musikanten und viele mehr kamen aus dem ganzen Land in Scharen herbei, um den Bürgern des Städtchens Schlitz ihre Künste darzubieten.
Eine weit über die Stadtmauern hinaus bekannte Brauerei, meisterhaft in der Veredelung des Gerstensaftes, entschloss sich, ihr gäriges Getränk dem Volke für nur wenige Taler auszuschenken.
Da dieses Fest bei den Bürgern aus nah und fern wohlwollenden Anklang fand, scheuten die bereits erwähnten Kaufleute keine Kosten, das "Kerzenfest" bis zum christlichen Weihnachtsfeste auszudehnen. Gar viele Besucher kamen auf ihren Pferdegespannen daher, um die "Weihnachtskerze" - man sprach alsbald im ganzen Lande von "Der größten Weihnachtskerze der Welt" - zu bewundern.
auch erzählt man sich, dass dies einmalig Gelingen auf Pergament in Büchern festgehalten wurde, die nur von solch erstaunlichen dingen in der ganzen Welt verkünden.
Nie zuvor hatte man solch eine große Kerze, von riesenhaften 42 Metern Höhe, gesehen. Auch die zahlreich feilgebotenen Waren des Weihnachtsmarktes fanden Anklang bei den Bürgern und Besuchern, gleich wie die Belustigungen der Gaukler. So waren denn alle Leute zufrieden und zogen wohlgenährt des Weges.
Und wenn das Licht der Kerze auch noch nicht angezündet wurde, so wird es doch bald, weithin sichtbar, scheinen.
"Schlitzer Weihnacht, ein Gedicht, jetzt im großen Kerzenlicht!" |