Geschichte / History
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Geschichte

History

Kurzinformation:

Die zwölfhundert Jahre alte Geschichte von Schlitz ist geprägt vom Miteinander und auch vom Gegeneinander ihrer Bürger und ihrer Herren.
Urkundlich wird Schlitz zum ersten Mal erwähnt, als der Mainzer Erzbischof RICHOLF am 20. September 812 auf dem Hügel Slitese eine der Heiligen Margaretha gewidmete Kirche weiht. Mit dem Bau der romanischen Säulenbasilika durch den Fuldaer Abt RATGAR ist die Aufzeichnung eines großen Kirchensprengels verbunden, in der viele Orte der Umgebung erstmalig urkundlich erwähnt werden.
Zum Schutz der Kirchen werden Vögte eingesetzt, die das Gebiet verwalten und die Gerichtsbarkeit ausüben. Etwa um 1100 machen unruhige Zeitläufte eine Befestigung des Hügels notwendig. 1116 und 1118 werden in Schenkungsurkunden des Klosters Fulda ERMENOLDUS DE SLITESE und sein Eheweib GERBIRGA als Zeugen genannt. Von diesem Ehepaar führt ein ununterbrochener Stammbaum zu den heutigen Repräsentanten des Schlitzer Adelsgeschlechts, den GRAFEN von SCHLITZ genannt von GÖRTZ, die von 1656 bis 1806 reichsunmittelbare Herren der Stadt Schlitz und der 16 dazugehörigen Dörfer waren.
Mitte des 13. Jahrhunderts erheben sich die fuldischen Lehnsträger gegen den Abt. In ihrem Streben nach mehr Selbstständigkeit fallen sie der Strafexpedition des Abtes BERTHO von LEIBOLZ anheim, der 1265 die im Tal des Schlitzflusses gelegene Burg Niederschlitz zerstört. Im Wappen von Stadt und Herrschaft sind die beiden Burganlagen (Niederschlitz und Oberschlitz) durch zwei schrägstehende Zinnenbalken versinnbildlicht.
Infolge dieser Auseinandersetzungen werden die Bewohner des Rings um die Oberburg mit mehr Rechten ausgestattet. Schlitz wird 1418 als (Burg-)“Flecken“ mit eigener Gerichtsbarkeit bezeichnet und 1439 als „Stadt“ genannt. Die Verleihung der Stadtrechte dürfte also zwischen 1418 und 1439 liegen. Eine Stadtrechtsurkunde ist nicht mehr vorhanden. Die mit dem Stadtrecht verbundene Verleihung des Marktrechts im 15. Jahrhundert führt zu einer grundlegenden Veränderung der Baufluchten im Innenstadtbereich. Aus den ehemaligen Befestigungsanlagen werden im Verlauf des 16. Jahrhunderts Wohnburgen, bei deren Ausbau Stadtmauer, Wehrgänge, Zwinger und Wallgraben teilweise beseitigt wurden.
1546 tritt Werner von Schlitz g. v. Görtz zur Lutherischen Konfession über. 1563 erhalten die Herren von Schlitz das Kollaturrecht zur Besetzung der in ihrer Herrschaft gelegenen Pfarrstellen, womit die Reformation als eingeführt angesehen werden kann. Dieses Recht behaupten sie erfolgreich sowohl während der 1604 eingeleiteten Gegenreformation als auch im Dreißigjährigen Krieg.
Der Frieden von Münster und Osnabrück 1648 sanktioniert nicht nur de jure die Unabhängigkeit von der Fürstabtei Fulda, er macht auch dem Kriegstreiben ein Ende, das durch Plünderungen, Hungersnöte und durch die Pest (1635) die Bevölkerung der Herrschaft auf ein Drittel dezimiert hatte.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts setzt eine rege Bautätigkeit ein, deren Ergebnisse gegenwärtig maßgeblich das Bild der Schlitzer Innenstadt und ihrer beiden Vorstädte bestimmen. Der Siebenjährige Krieg (1756 - 1763) bringt wieder Not und Elend und wirtschaftlichen Niedergang ins Land.
Die seit alters in Schlitz bestehende Leinenweberei bekommt durch einen 1717 vom Reichsfreiherrn JOHANN von SCHLITZ angeworbenen Damastweber neue Impulse. 1754 gibt es schon etwa 35 Damastwebstühle innerhalb der Stadt. Die Damastweberei erlebt im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts eine Blütezeit, die dann jedoch durch die napoleonischen Kriege jäh unterbrochen wird.
1806 wird die Reichsgrafschaft Schlitz mit der Gründung des Rheinbunds dem Großherzogtum Hessen - Darmstadt zugeordnet. Der Niedergang der Leinenweberei, auch ausgelöst durch die harten Zollgesetze der damaligen Zeit, lässt in den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts das Schlitzerland zu einem Notstandsgebiet werden.
1832 wird die Standesherrschaft Schlitz dem Oberhessischen Kreis Alsfeld und 1852 dem neu gegründeten Kreis Lauterbach zugeordnet, nachdem Graf KARL die ihm noch zustehende Gerichtsbarkeit 1838 freiwillig abgetreten hatte.
Mit dem Kreis Lauterbach geht Schlitz durch die hessische Gebietsreform 1971 in den Vogelsbergkreis über, der durch Vertrag und Gesetz aus den Kreisen Alsfeld, Lauterbach und dem Stadtbereich Schotten gebildet wurde. Im Rahmen der Gebietsreform schließen sich die Schlitzerländer Gemeinden freiwillig und durch Gesetz zur Großgemeinde Schlitz zusammen, die von rund 10 000 Menschen bewohnt wird.


Short  information

In 812, Schlitz (Slitese) is mentioned for the first time in connection with the dedication of the St. Margaret's church, now the Evangelical-Lutheran Parish Church. The name of the "family of Schlitz" is contained later (1116) in a document.

Members of this old local family became ministerials of the nearby Fulda Abbey, founded in 744. From 1316 up to recent times, one branch of it - "genannt von Görtz" - shaped the history of the town and its dependent villages. The Schlitz coat
of arms consists of two castle battlements. One symbolizes a fortress situated in the Schlitz river valley (Niederschlitz, raized to the ground in 1265), the other one a castle on the top of the Schlitz hill (Vorderburg today). Between 1418 and 1439 Schlitz acquired town privileges, and a constitutional council was formed. For the following centuries, citizens and the noble family lived together either as partners or opponents.
Several members of the Schlitz family held high positions in Fulda and Hesse (Hereditary Marshal in the Imperial Abbey of Fulda, Burgrave of the Imperial Castle Friedberg), From the middle of the 16th century they converted step by step to the
Lutheran confession. In 1656, the long existent imperial immediacy was legally recognized. In 1677, members of the Schlitz family were designated as Barons of the Empire, in 1726 as Imperial Counts. The imperial countship ended in 1806. Since
then, Schlitz belonged to the Grand Duchy of Hesse, later the federal state of Hesse. Several members of the noble family of Schlitz played prominent roles in European history and served as diplomats, military personell or executive members of
literary and confessional societies.
The inhabitants of Schlitz and its 16 surrounding villages had mainly lived as farming citizens up to the early 20th century, from the 17th century onwards also as linen weavers. Weaving became an industry in 1895 and still exists. A railway connection was built in 1898.
Not until 1900 a Jewish community was founded in Schlitz. Later, in the period of National Socialism, all Jewish fellow citizens were forced to leave our town. After 1945, the number of inhabitants increased considerably with the arrival of
refugees. A second comparable increase took place in the end of the 1980s with the arrival of ethnic Germans that used to live in the former USSR.
Since 1972, all 16 villages of the Schlitzerland were incorporated in the town of Schlitz. In 1983, a danger arose that the Eisenberg (local mountain nearby) would be used as a training area for the US army, but this project was abandoned in the
end due to paradigmatic public resistance.
The castles which form the characteristical Schlitz skyline (Vorderburg, Hinterburg, Ottoburg, Schachtenburg and - outside of the city centre - Hallenburg) were inhabited by different branches of the local nobility, but today they serve for the public as castle museum, state music academy or home for old people.